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Medienarbeit für Jugendliche

Kinder machen Medien

Der Slang der Besucher des ComX, einer Jugendeinrichtung im Märkischen Viertel, ist nichts für zarte Zeitgenossen. Doch hier wird nicht zur Besserung gemahnt, sondern knallhart nachgefragt. Jedenfalls, wenn es um die hauseigene Jugendzeitschrift WelcomX geht.
Es ist noch nicht lange her, da saß ein junger WelcomX-Reporter vor einer Striptease-Tänzerin und erfuhr im Rahmen seines Interviews den Unterschied – und die Berührungspunkte – von Striptease und Prostitution. Dass dies nicht so cool ist wie im Gangsta-Rap-Video, aber auch nicht so verwerflich, wie die gängigen Klischees von „Schlampen“ glauben machen, merkt man dem – von einem pensionierten Journalisten vorsichtig redigierten – Interview schnell an. Oft habe sich die Einstellung der Jugendlichen während der Recherche verändert, erzählt Marco Spieß, Sozialarbeiter im ComX.   
Von Eltern ungeahnte Motivationsschübe kennt auch Matthias Bergt, Dozent bei „Medien selber machen“. Haben die Jugendlichen in seinen Grundlagenseminaren erst einmal ein Thema gefunden, sind sie kaum noch zu bremsen: „Da muss man dann schon mal auf Realisierungsschwierigkeiten hinweisen.“ Für Bergt liegt die – auch in Zeiten von SchülerVZ und Myspace – ungebrochene Faszination der Medienarbeit in der Möglichkeit, thematisch in die Tiefe zu gehen. „Für einen Artikel braucht es eben mehr als ein paar schnelle Posts. Auch scheinen die auf gedrucktem Papier verewigten eigenen Gedankengänge eine höhere Wertigkeit zu besitzen.“ Die Abiturientin Norma Hillemann, 21, war „von der Vielzahl der Perspektiven, die sich für das Erzählen eines Themas eröffnen, überrascht.“ Und für Kristin Bönicke, 13, war neu, dass man mit Wikipedia als einziger Quelle nicht durchkommt.
Wer sich lieber im Radio hören will, kann beim Schülerradio „Hörsturz“ mitmachen, das bei Alex, dem Offenen Kanal Berlins, eine Stunde wöchentlich live on air geht, oder sich beim ComX-Radio Gehör verschaffen. Nachwuchs-Filmkritiker können sich in der Medienwerkstatt Kifrie Hilfestellung geben lassen und ihre Kritiken auf Spinxx, einem Onlinemagazin, zur Diskussion stellen.
Welche Herausforderung Medienarbeit für Jugendliche sein kann, weiß Emmanuel Schröder, Studioleiter und Musik-Dozent der StreetUniverCity, zu berichten. „Viele wollen einen gedrehten Clip nach der ersten Aufnahme sofort ins Netz stellen. Bei uns lernen sie, dass einige Wochen harter Arbeit vergehen können, bis das Ergebnis stimmt.“ Doch nicht nur das Erlernen von Geduld und Selbstreflexion steht am Ende jeder Medienarbeit. Die Jugendlichen verbessern auch ihr Ausdrucksvermögen und entwickeln fundierte eigene Meinungen sowie – in Zeiten von Pubertätswirren sehr wichtig – ein Bewusstsein für die eigenen Stärken.

Text: Katrin Falbe

welcomX, comX Radio
„Multicooles Jugendmagazin zum Mitmachen“ sowie Mitmach-Radio im Kinder-, Jugend-, Familienzentrum ComX, Senftenberger Ring 53-69, Reinickendorf, Tel. 40 20 39 22, WelcomX zum Download unter: www.welcomx.de, comX Radio unter: www.comx-berlin.de/kultradio_mv

Medien selber machen e.V.
Dollartstraße 5e, Lichterfelde, Tel. 69 20 38 18, www.medien-selber-machen.de, Grundlagenseminare für Teilnehmer von 14-26 Jahren, außerdem Seminare zu Themen wie Nachrichten, Recherche, Radio

Schülerradio Hörsturz
Bei Alex, Berlins Offenem Kanal, jeden Freitag um 19 Uhr eine Stunde Livesendung von Berliner Schülern im Alter von 15 bis 21 Jahren. Zu hören auf 97.2 Mhz und über Livestream: www.alex-berlin.de/radio sowie unter www.myspace.com/radiohoersturzberlin

Kifrie Medienwerkstatt
Menzelstraße 7, Friedenau, Tel. 8 55 40 70 (Di 14-18, Do 10-15 Uhr), www.kifrie-medienwerkstatt.nbhs.de,  Jeden Donnerstag von 16-18 Uhr können 10- bis 15-jährige Filmkritiker gemeinsam Texte verfassen. Außerdem finden Radio- und Internet-Workshops statt.

www.spinxx.de
Online-Plattform für 10- bis 15-jährige Medienkritiker

StreetUniverCity Berlin e.V.
Naunynstraße 63, Kreuzberg, Tel. 74 78 65 22, www.streetunivercity.de, Kurse für Jugendliche von 15-25 Jahre in den Bereichen Film- und Videoproduktion, IT-Media, Grafik

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