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Migrationsgeschichte für Kinder im Jugend Museum

heimat_berlinSeine Schiebermütze hat er in den Nacken geschoben, die Wollschürze wird altmodisch nur von Knoten gehalten: Konzentriert bearbeitet der Junge zusammen mit einem Kameraden eine Holzlatte. Animiert von dem Projekt „Heimat Berlin. Migrationsgeschichte für Kinder“ des Jugend Museums hatten sich die beiden zusammen mit ihrer Klasse im Rahmen von Workshops in die Situation schlesischer Berlin-Einwanderer eingefunden. Diese schufteten im 19. Jahrhundert als Arbeiter auf dem Bau, als Hilfskräfte in Tischlereien oder, wenn es Frauen waren, als Dienstmädchen. Dass die Berliner Arbeitgeber mit den Zuwanderern nicht immer zartfühlend umgingen, manchmal etwa den Lohn schuldig blieben, erlebten die Kinder am eigenen Leibe. Professionelle Schauspieler, die etwa in die Rolle der Chefs schlüpften, übten mit­unter mächtig Druck aus.

„Historisches Konfrontationstheater“ nennt man so was. Viele Kinder, so erzählt Projektleiterin Petra Zwaka, seien überrascht gewesen, wie es sich anfühlt, Einwanderer zu sein. Eingebettet ist das Projekt in das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“, das noch bis 2014 läuft. Wie nötig die Bemühungen um Perspektivwechsel manchmal sind, bewies eine kürzlich veröffentlichte Studie des Meinungsforschungsinstituts Info GmbH. Auf die Frage „Wie tolerant ist Berlin?“ zeigte sich jeder vierte Hauptstädter als fremdenfeindlich. 2012 geht es bei „Heimat Berlin“ übrigens um Einwanderungsbewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts. 

Text: Eva Apraku

Foto: Jugend Museum

Heimat Berlin. Migrationsgeschichte für Kinder Jugend Museum, Hauptstraße 40-42, Schöneberg, Mo+Di 10–16 Uhr, Mi+Do 10–18 Uhr, Sa+So 14–18 Uhr, www.jugendmuseum.de

Die Ausstellung – eine Werkstattpräsentation der bisher gelaufenen Workshops – zeigt Fotos und Filme, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulklassen entstanden sind.

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