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Neue Konzepte an Berliner Brennpunktschulen

Starke_schuleDie Schüler kommen aus bildungsfernen Schichten, häufig haben sie Migrationshintergrund. Ihr soziales Umfeld ist von Arbeits­losigkeit geprägt, das Wissen über Anforderungen des Arbeitsmarktes gering. Die Eltern sind oft überfordert und können ihre Kinder kaum unterstützen: Willkommen im Alltag von Berliner Brennpunktschulen. Mit solchen Problemen sah sich auch die Willy-Brandt-Oberschule in Wedding vor drei Jahren konfrontiert. Angesichts eines 90-prozentigen Anteils an Schülern, bei denen  zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, und wo oft eine Hartz-IV-Problematik vorherrschte, zeigte sich, dass herkömmliche Unterrichtsmethoden nicht zu Erfolgen führten. Das Resultat: Die Schulanmeldungen sanken und die Schule stand vor der Schließung. 

Inzwischen wird ein neues Konzept jenseits des Frontalunterrichts praktiziert und bestimmt eigenverantwortliches Lernen den Schulalltag. In Lernbüros werden Fächer wie Mathematik oder Gesellschaftskunde eigenständig unter Betreuung eines Fachlehrers bearbeitet. Welches Lernbüro die Schüler jeweils wählen, dürfen sie am Tagesanfang selbst entscheiden. Außerdem gibt es Werkstatt- und Projektunterricht und die Schüler engagieren sich in sozialen Projekten. Für ihr neues Konzept wurde die Willy-Brandt-Oberschule am Gesundbrunnen nun für einen der Landespreise des Wettbewerbs „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ nominiert. Bundesweit hatten sich über 600 Schulen beim Wettbewerb der gemeinnützigen Hertie-Stiftung beworben. Für Berlin wurden außerdem die Förderschulen Biesalski und Lauterbach sowie die Sekundarschule Heinz Brandt und die Schule am Rathaus zur Landespreisverleihung am 23. März eingeladen. Der erst platzierte Landessieger erhält ein Preisgeld von 5000 Euro und hat Aussicht auf den Bundessieg. Ausgezeichnet werden Schulen, die sich mit innovativen Konzepten in herausragender Weise für ihre Schüler stark machen, um sie optimal auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

„Viele Schulen haben tolle Konzepte. Mit Hilfe des Wettbewerbs werden ihre Ideen publik“, berichtet Miriam Pech, Schulleiterin der Heinz-Brandt-Oberschule in Weißensee. Vor allem praktisches Lernen wird hier großgeschrieben. So besuchen Schüler ab der siebten Klasse jeden Mittwoch eine soziale Einrichtung. Das kann die Berliner Tafel oder eine Behindertenwerkstatt sein. Dort helfen sie mit und lernen auch Höflichkeit, Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit. Häufig entwickelt sich dabei der spätere Berufswunsch. Dazu kommen dann ab der 8. bis zur 10. Klasse dreiwöchige Praktika und in der 10. Klasse ein wöchentliches Tagespraktikum in einem Betrieb. Für Schüler, die zuvor durch häufiges Schwänzen auffielen, gibt es zudem die sogenannten Praxisklassen. Dabei arbeiten die Schüler drei Tage in der Woche in Werkstätten und besuchen die Schule nur an zwei Tagen in der Woche. Das Konzept hat Erfolg: „Knapp 70 Prozent unserer Schulabgänger nehmen nach der Schule eine Ausbildung auf“, berichtet Miriam Pech. Eine hohe Quote, denn normalerweise haben Jugendliche mit Hauptschulabschlüssen auf dem Ausbildungsmarkt nur wenig Chancen.

Text: Sabine Käsbohrer

Foto: Hertie Stiftun /Stefan Wolf

Berlins Anwärter auf den Preis „Starke Schulen“:

Willy-Brandt-Oberschule
Grüntaler Straße 5, Wedding, Tel.: 901 84 73 10, www.willy-brandt-oberschule.de

Heinz-Brandt-Schule Langhansstraße 120, Weißensee, Tel.: 925 12 08, www.heinz-brandt-os.cidsnet.de

Lauterbach-Schule Senftenberger Ring 41, Reinickendorf, Tel.: 402 10 88, www.lauterbach-schule.de

Biesalski-Schule Hüttenweg 40, Zehlendorf, Tel.: 902 99 – 64 74, www.biesalski-schule.cidsnet.de

Schule am Rathaus Rathausstraße 8, Lichtenberg, Tel.: 559 76 68, www.rathaus.schule-berlin.net

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