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Patchwork Familien stellen sich hohen Herausforderungen

Ein Ex-Ehemann, eine erwach­sene Tochter, zwei nicht immer ganz unkomplizierte Pflegekinder und ein neuer Freund: Das, was Svea Lubbers* „meine Familie“ nennt, klingt für andere nach einem Quell permanenter Reibereien. Dabei liegt die 44-Jährige mit ihrer ungewöhn­li­chen Familienkonstellation durchaus im Trend. Die Anzahl sogenannter Patchworkfamilien, also Familien, in denen nicht beide leibliche Elternteile ihre eigenen Kinder versorgen, sondern es alle möglichen Stiefkind- beziehungsweise -elternkombinationen gibt, nimmt stetig zu. „Schuld daran“ ist die wachsende Anzahl von Scheidungen und Trennungen unter Lebenspartnern.

Dabei haben Leute wie Svea Lubbers den Traum von einer intakten Familie ganz und gar nicht aufgegeben: „Klar, es ist schon schwierig, wenn ein neuer Lebenspartner, den sich die Kinder ja gar nicht ausgesucht haben, dazukommt. Man muss eingefahrene Lebensgewohnheiten ändern, und es entstehen immer wieder Eifersüchteleien.“ Trotzdem glaubt Svea Lubbers, dass es sich lohnt, diese Heraus­forderung anzunehmen. Wobei der Begriff „intakt“ für sie längst nicht mehr bedeutet, das Familienleben müsse ständig im Lot sein. Stattdessen „müssen wir manchmal auch akzeptieren, dass es ungelöste Probleme gibt.“ Gerade weil sich die Mutter in ihrem täglichen Alltags-Kuddelmuddel nicht entmutigen lassen will, sucht sie den Austausch mit anderen Patchworkfamilien. Wie machen andere das, wenn’s mal wieder knallt?

Dass Patchworkfamilien Beratungsbedarf haben, haben auch Sabine Griesbach und Anna Bröckers aus dem rheinischen Viersen festgestellt. Seit März letzten Jahres geben sie – mit wachsender positiver Resonanz – die Zeitschrift „Patchwork family. Das Magazin für Patchworker und Alleinerziehende“ he­raus. Neben allgemeinen Familienthemen wie Erziehung oder Gesundheit ging es in vergangenen Ausgaben etwa darum, bei welchem Familienteil die Kinder Weihnachten feiern, oder wie man die Proble­me löst, wenn – wie es aus den Augen der Kinder manchmal scheint – der Super-GAU eintritt: „Hilfe! Mama heiratet wieder“ hieß etwa eine Titelstory.

Dass sich solche Verwicklungen auch im Gespräch untereinander entwirren lassen, glaubt man im Charlottenburger Nachbarschaftshaus am Lietzensee, wo sich derzeit die Gesprächsgruppe „Leben in der Patchworkfamilie“ im Aufbau befindet. Erfahrung mit derartigen Gesprächskreisen hat man bereits im Familieninfotreff, denn dort gab es die „AG Patchworkfamilien & Zweitfrauen“. „Es ist aber nicht einfach, solche Gruppen zusammenzuhalten“, sagt Michael Stiefel, der Leiter des Familieninfotreffs. „Patchworkfamilien sind manchmal derartig unterschiedlich, dass es oft nur wenig Überschneidungen gibt.“ Die Perspektive, als Single an einen Partner mit Kindern zu geraten, sei beispielsweise etwas völlig anderes als der umgekehrte Fall. Trotzdem setzt man im Familieninfotreff auf die nicht geringe Ausdauer der Patch­worker. Michael Stiefel: „Wer sich austauschen will, kann zu uns kommen.“ 

Text: Eva Apraku
Foto: Patchwork Family

Familieninfotreff e.V. Senefelder Straße 26, Prenzlauer Berg,
Tel. 49 78 98 79 oder 0176-29 36 33 70
Nächste „AG Patchworkfamilien & Zweitfrauen“: Di 26.1., Di 9.2., je 19.30 Uhr

Nachbarschaftshaus am Lietzensee e.V. Herbartstraße 25, Charlottenburg, Tel. 30 30 65-0 (Sprech­zeiten: Di 10-13 Uhr, Do 15-18 Uhr),  [email protected] Im Nachbarschaftshaus Lietzensee befindet sich die Gesprächsgruppe „Leben in der Patchworkfamilie“ im Aufbau, Interessenten sind herzlich willkommen.

Patchwork family.
Das Magazin für Patchworker und Alleinerziehende Sana Verlag,
Krefelder Straße 140 a, 41748 Viersen, Tel. 021 62-897 77 60-0,
www.patchworkfamily-magazin.de

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