Familie

Schwimmkurse für Kinder

Schwimmen_lernenDer Sprung vom Beckenrand ins Wasser kostet Überwindung. Nicht wegen der Kälte. Die Tiefe ist beängs­tigend. Ist das Eintauchen in das kühle Nass geschafft, scheint das ersehnte Seepferdchen-Abzeichen zum Greifen nahe. Wäre nur der kleine rote Tauchring nicht so weit entfernt.
Der Startschuss ist gefallen. Anfang Mai eröffneten die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) die Freibadsaison. Für Berliner Kids kann das große Planschen nun beginnen. Mit Handtuch und Badehose bepackt werden Nachmittage und Wochenenden in Schwimmbädern verbracht. Doch für viele Kinder beschränkt sich der Spaß auf das Planschbecken. Schätzungen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge, können 40 Prozent aller Grundschüler am Ende der vierten Klasse nicht richtig schwimmen. Tendenz steigend.
Henning Bock von der DLRG macht vor allem das mangelnde Angebot an geeigneten Lehrstätten in Deutschland für die Entwicklung verantwortlich. Die Schwimmbäder werden von allen Vereinen genutzt – dabei müssen Trainingszeiten für Schwimmunterricht, Profisport und Fortbildungen für Rettungsschwimmer untergebracht werden. Am Engagement der Eltern mangelt es seines Erachtens nicht. Bock: „Das Interesse der Eltern an Schwimmkursen für ihre Kinder ist sehr hoch, die Wartelisten sind jedoch lang.“

Und in Berlin? „Wir sind die Einäugigen unter den Blinden“, sagt Manuel Kopitz vom Berliner Schwimmverband. „Die Situation in Berlin ist nicht ganz so schlimm.“ Aber auch die Hauptstadt ist von Kürzungen betroffen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage mussten in den letzten Jahren ebenfalls Schwimmbäder geschlossen werden. Für den Schulsport ist das verheerend.

Schwimmen_lernenLängere Anfahrtswege erfordern zusätzliches Aufsichtspersonal, das oftmals nicht aufgebracht werden kann. Dazu kommen die Fahrtkosten – für Kinder aus einkommensschwachen Familien wird der Schwimmbadbesuch damit schlicht zu teuer. Einen Mangel an personellen Kapazitäten bei Schulen und Kindergärten beobachtet auch Matt­hias Oloew von den BBB: „Die Klassen und Kita-Gruppen werden immer größer, die Betreuung aufwendiger.“ Während die allgemeinen Besucherzah-len steigen, nahmen die entgeltfreien Besuche im letzten Jahr ab. Wenn in der Schule etwas ausfällt, dann als Erstes der Sport- und somit auch der Schwimmunterricht. Jüngste Überlegungen, Sport-, Kunst- und Musikunterricht zum Fach „ästhetische Bildung“ zusammenzufassen, dürften diesen Negativtrend sogar noch verstärken.
Auch für die Hauptstadt eine kritische Entwicklung. Denn: In Berlin gibt es Bezirke, in denen der Nichtschwimmeranteil mit bis zu 70 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Gerade in sozial schwachen Wohngegenden verlassen sich Eltern häufig aus finanzieller Not auf die Schule und das Pflichtfach Schwimmen. Dabei weiß man beim DLRG: „Schwimmen ist eine Kulturtechnik wie lesen oder schreiben. Wenn man es nicht kann, wird man ausgegrenzt.“

Um auch Kindern aus sozial schwachen Familien die Teilnahme an privaten Schwimmkursen zu ermöglichen, kooperiert man bei den BBB seit fünf Jahren mit Schwimmpaten aus der Wirtschaft. So sponsorte C&A dieses Jahr rund 300 Plätze in den Sommerintensivkursen der BBB. Vergeben werden die Plätze von den Gesundheitsämtern der Berliner Bezirke.

Text: Sabine Käsbohrer

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