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Silke Fischer über die Bedeutung von Märchen

silke_fischertip: Warum sind Märchen wichtig??

Silke Fischer: Märchen erzählen immer von der glücklichen Überwindung von Widerständen: Man hat eine ungünstige Ausgangssituation, ist auf sich allein gestellt, muss sich Freunde suchen, muss zu anderen Leuten höflich sein, sich an die Regeln halten und sollte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und man sollte die Überwindung der Widerstände beherzt angehen, dabei vorausschauend sein und darf nicht verzweifeln. Man soll sein Leben in die Hand nehmen und seinen Weg gehen. Das ist eine Botschaft, die den Kindern unbedingt regel­mäßig mitgeteilt werden sollte.

tip: Aber sind Märchen nicht oft auch sehr grausam??

Fischer: Das sind sie nicht wirklich, denn in ihnen werden ja nur Archetypen beschrieben. Außerdem geht es nie um blutrünstige Details. Wenn der Kopf abgeschlagen wird, dann steht in Märchen nicht „… und das Blut spritzte“ oder „Er schrie wie am Spieß“, sondern, wie etwa im Märchen „Das Wasser des Lebens“, reitet man dann los, holt das Wasser des Lebens und klebt den Kopf eben wieder an. Märchen sind Sinn­bilder für das Leben im Allgemeinen und im Besonderen. Und so verstehen das auch die Kinder.

tip: Anfang April dieses Jahres war der Vertrag mit dem Großsponsor Vattenfall ausgelaufen, es war unklar, ob die Märchentage überhaupt stattfinden würden. Was hat zur Wende geführt??

Fischer: Wir haben zu einer Spendenaktion aufgerufen, an der sich viele Berliner beteiligt haben. Außerdem konnten wir noch einige Sponsoren für uns begeistern. Auch der Senat unterstützte eine Nachfinanzierung. Nun hoffen wir, bis zum 31. Dezember alle offenen Rechnungen begleichen zu können, um die Märchentage in der gewohnt guten Qualität, aber auch in der gleichen Quantität weiterführen zu können.

tip: Wie wird es mit den Märchentagen weitergehen??

Fischer: Unsere Basisförderung erhalten wir von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Und wir hoffen, dass wir von denen weiter gefördert werden. Wir hoffen auch darauf, weitere Sponsoren zu finden. Wenn das klappt, werden wir natürlich im nächsten Jahr weitermachen. Zumal im nächsten Jahr ein ganz wichtiger Termin ansteht: Dann werden die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 200 Jahre alt. Was viele nicht wissen, ist, dass die Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen erstmals 1812 hier in Berlin erschienen ist, wo die Brüder Grimm mehr als 20 Jahre gearbeitet haben. Die Grimm’schen Märchen sind inzwischen übrigens UNESCO-Kulturerbe. Grund genug für uns, die Märchentage 2012 den Brüdern Grimm zu widmen. Die Märchentage werden dann unter dem Thema laufen „Rotkäppchen kommt aus Berlin“.

Interview: Eva Apraku

Foto: Konzept und Bild

Veranstaltungen der 22. Märchentage, die Sie nicht verpassen sollten.

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