Familie

Starthilfe für Mütter

Mutterpflege

Das Stillen klappt nicht richtig. Der Wäsche­berg wächst beständig. Und ein Streit mit dem Partner bringt das Fass zum Überlaufen. Obwohl die Geburt eines Kindes und die Zeit danach zu den schönsten Ereignissen im Leben einer Frau zählen soll, fühlen sich viele Mütter anfangs eher elend. Babyblues heißt das Phänomen: alte und viele neue Aufgaben sowie ein extremer hormoneller Umschwung führen zu Frustrationen. „Zwar haben die meisten Mütter eine Nach­sorgehebamme. Diese kommt aber in der Regel nur kurz ins Haus“, erklärt Michael Bober, Geschäftsführer der Gießener Gesellschaft für Wochenbettzeit gGmbH und Mitbetreiber der Mütterpflegerinnen-Schule. „Was darüber hinausgeht, wie zum Beispiel Hilfe im Haushalt, kann aber keine Hebamme leisten.“ Die Mütterpflegerinnen-Schule in Gießen bildet jährlich 30 Frauen darin aus, wie sie Mütter einfühlsam und professionell unterstützen können.

Die Absolventinnen arbeiten Hand in Hand mit der Hebamme. „Wir unterstützen die Frauen bei der Pflege des Babys und bei der Organisation des Haushaltes, kochen, kaufen ein, räumen auf und kümmern uns um ältere Geschwister“, erläutert die Berlinerin Nicole Ahnert, die an der Gießener Schule gelernt hat, ihr Tätigkeitsfeld. Auch Präsidentengattin Bettina Wulff sprach jüngst das Problem von überforderten Müttern an und warb für den Einsatz von speziellen Familienhebammen. Diese kümmern sich im gesamten ersten Lebensjahr eines Kindes, also länger als normale Hebammen, um Mutter und Kind. Familienhebammen betreuen Frauen, die medizinischen oder psychosozialen Risiken ausgesetzt sind, wie etwa alleinerziehende, minderjährige oder drogenabhängige Mütter.

Damit unterscheiden sich Familienhebammen von den Mütterpflegerinnen, deren Einsatz fast jeder Frau zusteht – obwohl viele dies gar nicht wissen. „Eine Verschreibung vom Arzt oder der Hebamme genügt“, so Michael Bober. Nicole Ahnert ergänzt: „Die meisten Krankenkassen wissen, dass die Behandlung einer Wochenbettdepression sie wesentlich teurer zu stehen kommt als der Einsatz einer Mütterpflegerin.“ Bei immer­hin zehn bis zwanzig Prozent der Frauen entsteht aus dem anfänglichen Babyblues eine postpartale Depression. „Früher kam die Wochenpflegerin ins Haus, half der Mutter mit Kind und Haushalt“, resümiert Bober. Medizinischer Fortschritt und die Klinikgeburt verdrängten den Beruf der Wochenpflegerin. Die Ausbildung wurde 1970 eingestellt. Dabei ist moderne Medizin keine Antwort auf fehlende Fürsorge. Nicole Ahnert: „Ein guter Start ins Familiendasein ist prägend fürs ganze Leben.“

Text: Jana-Marie Schwarz

Foto: Pictorium/Plainpicture

Verein für Mütter- und Familienpflege e.V.
Der Verein betreibt in Gießen die Mütterpflege­schule und vermittelt bundesweit Mütterpflegerinnen.
Zum Bahnhof 28, 35394 Gießen-Rödgen, Tel. 0641-42221, www.muetterpflege.de 

Berliner Hebammenliste
www.berliner-hebammenliste.de
Zahlreiche Informationen und Adressen rund um Hebammen in Berlin. Mit Suchmaske zur gezielten Kontaktaufnahme mit Hebammen nach Bezirken oder Geburtsorten (z.B. Hausgeburt, Klinikgeburt).

Hebammenruf Berlin
www.hebammenruf-berlin.de, Tel. 214 27 71
Viele nützliche Adressen rund um Geburt und Babypflege (z.B. Geburtshäuser, Stilltreffs, Selbsthilfegruppen). Außerdem wichtige Informationen zu den Leistungen von Hebammen.

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