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Theatertreffen der Jugend in Berlin

Don_t-crySo sieht die Zukunft aus: Affen herrschen über die Erde. Genauer, Primaten mit Migrationshintergrund. Die haben sich als Darwinismus-Gewinnler gegen die Restmenschheit durchgesetzt. Wie dieser Aufstieg gelungen ist? Ganz einfach, sie haben die heilige Schrift ihrer Gottheit Thilo beim Wort genommen und sich nach Leibeskräften vermehrt. „Clash“ heißt diese amüsante „Planet der Affen“-trifft-Sarrazin-Satire, die Regisseur Nurkan Erpulat mit jugendlichen Laien inszeniert hat. Ein Theaterprojekt, das der Jugendclub des Deutschen Theaters auf die Beine gestellt hat, das Junge DT. Nun ist das Stück als eines von acht aus ganz Deutschland ausgewählten Produktionen zum Theatertreffen der Jugend eingeladen worden.

In diesem Jahr findet das Theatertreffen der Jugend nicht mehr wie zuvor in der „Wabe“ am Prenzlauer Berg statt, sondern im Haus der Berliner Festspiele, das den jungen Theatermachern ein professionelleres Forum und ein Plus an Aufmerksamkeit bietet. Eine Besonderheit des Festivals ist dabei, wie die Leiterin Christina Schulz betont, dass es sich als einziger bundesweiter Wettbewerb an Theater-Jugendclubs, die freie Szene und Schultheater-Projekte gleichermaßen richtet. Die Spieler aller Sparten begegnen sich hier auf Augenhöhe, ihre Inszenierungen spiegeln die bestaunenswerte Vielfalt an Produktionen, die von Jugendlichen selbst erarbeitet werden. In denen sie, wie Schulz sagt, „die Fragen stellen, die sie umtreiben und die sie aus ihrer eigenen Perspektive beantwortet haben wollen“. Gutes Beispiel dafür: Die Inszenierung „Ferienlager – Die 3. Generation“, die zweite von drei eingeladenen Berliner Aufführungen. Regisseur Lukas Langhoff hat sie mit türkischstämmigen Kreuzberger Kids erarbeitet, die in einem furiosen Geschichtenmix von ihrem Alltag zwischen Liebesstress und Bollywood-Träumen erzählen. Da geht es weniger um Migrationshintergrund als um die hormonelle Situation. Wohingegen in der Produktion des Düsseldorfer Forums Freies Theater „Liberation is a journey“ Jugendliche auf der Bühne stehen, die mit ihren Familien aus Bürgerkriegsländern geflohen sind und die von ihren Erfahrungen erzählen.

Überhaupt beobachtet Schulz den Trend, dass die jungen Theatermacher sich mit eigenen Themen beschäftigen, statt literarische Vorlagen auf Gegenwartstauglichkeit zu durchleuchten. Was natürlich auch seinen Reiz haben kann. Wie etwa die Produktion „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ des Theaterensembles „Beate und die greenhorns“ der Kreuzberger Walddorfschule zeigt, die sich das Blaubart-Märchen ironisch zur Brust nehmen. Sowieso geht es nicht darum, sich in Konkurrenz zu setzen, das eine gegen das andere auszuspielen. Alle, die zum Theatertreffen der Jugend eingeladen wurden, so Christina Schulz, sind schon Sieger.

Text: Patrick Wildermann

Aufführungsort: Haus der Berliner Festspiele,
Schaperstraße 24, Wilmersdorf, Ticketpreise für alle Vorstellungen: 4 Ђ, Karten-Tel. 24 92 54 89-100 (Mo–Fr 10–18 Uhr),
www.berlinerfestspiele.de

Clash Junges DT, Regie: Nurkan Erpulat, Berlin, Fr 27.5., 20 Uhr

Ferienlager – Die 3. Generation Akademie der Autodidakten am Ballhaus Naunynstraße, Regie/Recherche/Bühne: Lukas Langhoff, Berlin, Sa 28.5., 20 Uhr

Ausarten. Um uns und die Kunst! TAGGS – Theatergruppe am Goethe-Gymnasium, Betreuung: Anne-Kathrin Holz, Schwerin, So 29.5., 20 Uhr

Mutter Kuhranch oder wie Aristoteles Brecht post mortem 2:0 besiegte Ehemaliger Grundkurs „Drama­tisches Gestalten“, Carl-Orff-Gymnasium, Regie: Michael Blum,  Unterschleißheim (Bayern), Mo 30.5., 20 Uhr

Liberation is a Journey Ingo Toben und Forum Freies Theater (FFT), Künstlerische Leitung/ Regie: Ingo Toben, Düsseldorf, Di 31.5., 20 Uhr

Nachtlektion mit Autorinnen und Autoren der FZ-Redaktion und Gästen, Di 31.5., 22 Uhr

Blaubart – Hoffnung der Frauen „Beate und die Greenhorns“, Regie: Bettina Drexler, Freie Waldorfschule Kreuzberg, Berlin, Do 2.6., 20 Uhr

Testosteron TheaterGrueneSosse, Junges Ensemble, Regie: Willy Com­becher, Frankfurt am Main, Fr 3.6., 20 Uhr

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