Familie

Verkehrssicheres Radfahren

Dersu war neun Jahre alt, als er überfahren wurde. Ein Lkw hatte den Jungen, der mit dem Fahrrad hinter seiner Mutter herfuhr, beim Rechtsabbiegen übersehen. Mutter und Sohn waren auf dem Radweg unterwegs und steuerten bei Grün die Kreuzung Bismarck-/Ecke Kaiser-Fried­rich-Stra­ße in Charlottenburg an. Vor Gericht erklärte der Fahrer des Sattelzuges, dass er zwar die Mut­ter, nicht aber das hinter ihr fahrende Kind gesehen hätte. Dersu starb am 23. März 2004.

Radunfälle sind für Kinder besonders dramatisch. Häufig werden sie bei den Unfällen schwer verletzt, manche sterben noch am Unfallort. Dabei ist die Zahl der schweren Verkehrs­unfälle seit Jahren rückläufig. Laut der Statistik der Polizei waren Radfahrer 2008 nur zu 3,5 Prozent, also besonders selten, in Verkehrsunfälle involviert. Aber wenn sie betroffen sind, dann ist die Chance, unversehrt wieder in die Pedale treten zu können, eher gering. So wurden rund 27,5 Prozent aller Radfahrer bei den Unfällen schwer verletzt.
Bezogen auf das Alter der verunglückten Radfahrer sind besonders junge Radfahrer zwischen elf und 17 Jahren sowie ältere Radfahrer über 65 Jahren gefährdet. Unfallursache sind in erster Linie Abbiege- und Kreuzungsunfälle, das „Benutzen falscher Fahrbahnteile“ (Rad fahren auf der falschen Fahrbahnseite/ auf dem falschen Radweg) und das Einfahren in den fließenden Verkehr, so die Polizeistatistik.

Das bedeutet aber nicht, dass man Kinder vom Radfahren abhalten sollte. Im Gegenteil. „Eltern sollten die zunehmende Selbstständigkeit der Kinder nutzen, mit ihnen intensiv im Straßenverkehr zu üben“, weiß Bettina Cibulski vom Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Sie rät Eltern: „Fahren Sie zusammen mit den Kindern ein bis zwei Wochen den Schulweg ab, und trainieren Sie potenzielle Gefahrenquellen.“ Wichtig sei dabei, hinter den Kindern zu fahren, um sie im Verkehr beobachten zu können. Im Fall des neunjährigen Dersu fuhr die Mutter dem Kind voraus. Erst mit etwa acht Jahren können sich Kinder übrigens im begrenzten Maß auf das Radfahren und gleichzeitig auf den Straßenverkehr konzentrieren. Dementsprechend müssen sie bis zum achten Geburtstag auf dem Gehweg fahren – bis zu diesem Alter gelten die Räder als Spielzeuge wie auch Kett-Cars, Roller und Dreiräder. Zwischen den Fußgängern dürfen Kinder fahren, bis sie zehn Jahre alt sind. Erst danach müssen sie den Radweg beziehungsweise die Straße benutzen. Wie schnell ein Auto tatsächlich fährt, können Kinder aber erst mit rund zwölf Jahren einigermaßen richtig abschätzen.
Experten warnen davor, Kinder zu früh – also mit drei oder vier Jahren – aufs Fahrrad zu setzen. Erst mit sechs Jahren verfügen sie über den nötigen Gleichgewichtssinn etwa für den Rund­umblick. Auch von Stützrädern wird abgeraten, sie täuschen Sicherheit zum Beispiel in Kurven vor und er­schwe­ren das spätere Radfahren auf zwei Rädern. Die meisten Kinder wissen intuitiv, wann sie das Laufrad gegen das Fahrrad eintauschen können. Als Eltern sollte man aber darauf achten, dass Kinder nie ohne Helm fahren. „Am besten, man trägt selber einen, da Radfahrer im Falle eines Unfalls meist erhebliche, oft auch tödliche Kopfverletzungen erleiden“, so der ADFC. Auch helle und gut sichtbare Kleidung oder reflektierende Westen sind von Vorteil, um von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen zu werden.
Zusätzlich sollten Speichen- und Kettenschutz und eine Beleuchtung, die auch im Stand funktioniert, verwendet werden. Schon seit Längerem setzt sich die Radfahrerlobby auch für die Zulassung einer batterie­betrie­be­nen Beleuchtung ein – bisher ist der Dynamoantrieb Pflicht. Pflicht ist seit 2009 übrigens auch der sogenannte „Dobli-Spie­gel“ für Lkws. Er reduziert den toten Win­kel erheblich. Und damit auch die Zahl der tödlichen Unfälle von radfahrenden Kindern.

Text: Britta Geithe

Verkehrssicherheit

In den über zwei Dutzend Jugendverkehrsschulen der Berliner Bezirke können Kinder auf asphaltierten Übungsflächen, die mit Ampeln und anderen Verkehrszeichen ausgestattet und echten Verkehrsflächen nachgebildet sind, ungefährdet Fahrrad fahren üben. Viele Schulen bieten darüber hinaus auch Verkehrssicherheitstraining sowie Selbsthilfewerkstätten an.

Charlottenburg: Loschmidtstr. 6 – 10, 10587 Berlin Tel.: (030) 9029 – 25 615
Wilmersdorf: Bundesallee 164, 10715 Berlin Tel.: (030) 2903 4078

Friedrichshain-Kreuzberg
Friedrichshain, Weinstraße, 10249 Berlin, Tel.: 241 91 68
Kreuzberg I: Wassertorplatz, 10999 Berlin, Tel.: 505 891 11
Kreuzberg II: Wiener Straße 59c, 10999 Berlin, Tel.: 225 024 86

Mitte
Mitte: Berolinastr. 8, 10178 Berlin, Tel.: 2465 – 7424
Tiergarten: Bremer Str. 10, 10551 Berlin, Tel.: 394 080 77
Wedding, Gottschedstr. 23, 13357 Berlin, Tel.: 462 61 32

Neukölln
Neukölln I: Wörnitzweg 5, 12043 Berlin, Tel.: 56 82 19 61
Neukölln II: Heideläufer Weg 11, 12353 Berlin, Tel.: 604 50 00

Pankow
Pankow: Schützenstr. 20, 13158 Berlin, Tel.: 916 47 00
Weißensee: Rennbahnstr. 45, 13086 Berlin, Tel.: 923 02 23
Prenzlauer Berg: Thomas-Mann-Str. 65, 10409 Berlin, Tel.: 428 004 10

Reinickendorf
Reinickendorf I: Aroser Allee/Lindauer Allee, 13407 Berlin, Tel.: 495 24 81
Reinickendorf II: Senftenberger Ring 25a, 13435 Berlin, Tel.: 416 72 72

Spandau Borkzeile 34, 13583 Berlin, Tel.: 90279 – 3421

Steglitz-Zehlendorf
Steglitz: Albrechtstr. 42, 12167 Berlin, Tel.: 797 496 80
Zehlendorf: Brittendorfer Weg 16a, 14167 Berlin, Tel.: 811 47 44

Tempelhof-Schöneberg

Tempelhof I: Friedenstr. 23, 12107 Berlin, Eingang: Alt-Mariendorf 48 Tel.: 7560 – 7458
Tempelhof II: Hanielweg 7 – 8 (Schule), 12277 Berlin, Tel.: 7560 – 4139
Tempelhof III: Dielingsgrund, 12109 Berlin, Tel.: 90277 – 7458
Schöneberg: Sachsendamm 25, 10829 Berlin, Tel.: 7560 – 4363

Treptow-Köpenick

Köpenick: An der Wuhlheide (FEZ), 12459 Berlin, Tel.: 530 123 64

oder: www.berlin.de/ polizei/verkehr/jugendverkehrsschulen

Fahrradläden in Berlin

Fahrradfahren in Berlin

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