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Welche Schule für mein Kind?

Ich bin Spanierin und mein Mann ist Deutscher. Beide haben wir früher in New York gelebt, wo auch unsere Tochter Ana geboren wurde. In New York ist die Schulsuche ein einziger Horror, denn das öffentliche Schulsystem ist eine Katastrophe. Private Schulen aber sind so teuer, dass man die sich als Normalverdiener kaum leisten kann. Außerdem möchten mein Mann und ich dieses Auseinanderbrechen der Gesellschaft nicht unterstützen: Die Reichen schicken ihre Kinder auf besondere, kostenpflichtige Schulen, der schlecht verdienende Rest muss seine Kinder auf öffentliche Schulen schicken.

Einer der Gründe, warum wir nach Deutschland gezogen sind, ist die Existenz der Europaschulen, das sind öffentliche Schulen, in denen zwei Sprachen gelehrt werden. Für uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder zweisprachig groß werden. Eigentlich hatten sich irgendwann mal alle Länder der EU verpflichtet, Europaschulen einzurichten. Tatsächlich aber gibt es die nur in Deutschland. Dass wir gezielt nach Friedrichshain und nicht nach Charlottenburg gezogen sind, wo es jeweils eine deutsch-spanische Europaschule gibt, liegt an unserem Beruf. Wir sind beide Filmemacher und haben ein Musiklabel, für unsere Lebensart passt Friedrichshain einfach besser als Charlottenburg.
Um auf eine deutsch-spanische Europaschule zu kommen, müssen die Kinder fließend Spanisch sprechen, das wird zuvor durch einen Sprachtest geprüft. Ana (10) und Sofia (7) haben den Test bestanden, beide Kinder sprechen sehr gut Spanisch. Meine jüngste Tochter Violeta ist einen Monat alt. Der deutsche und spanische Unterricht ist für unsere beiden älteren Kinder kein Problem, beide gehen sehr gern zur Schule. Für Kinder, die die eine oder andere Sprache nicht so gut können, ist die Schule aber nicht so einfach. Trotzdem finde ich, dass die Schule ihre Arbeit sehr gut macht: In der ersten Klasse hat jedes Kind ein Partnerkind. Wenn ein Kind besser Spanisch als Deutsch spricht, dann sitzt es neben einem Kind, das besser Deutsch als Spanisch spricht. Die helfen sich dann gegenseitig, lernen sehr viel schneller und fühlen sich für den anderen auch verantwortlich.
Einziger Wermutstropfen ist der bauliche Zustand der Schule: Sie ist stark renovierungsbedürftig und auch mit der Hygiene steht es nicht zum Besten. Zweimal im Jahr müssen die Eltern die Schule putzen. Das finde ich nicht so schön.

Protokoll: Eva Apraku

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