Familie

Wie kommen Kinder zum Film?

LeinwandheldWenn Bruno Renne, 8, mal wieder bei einer Premierenfeier von „Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland“ (Kino-Start, Donnerstag, 30. September) im Kinosaal sitzt, dann fühlt sich der kleine Berliner von der Geschichte des Films aufs Neue gefangen. Denn darin versucht der schüchterne Miko gemeinsam mit dem Sandmann, den von dem Fiesling Habumar gestohlenen Traumsand zurückzuholen und so den Kindern das Träumen wieder zu ermöglichen.
Dabei dürfte Bruno die Story eigentlich vorwärts und rückwärts auswendig kennen. Schließlich ist er einer der Hauptfiguren, hat Miko gespielt. Doch ein abgebrühter alter Hase ist Bruno nach seinem ersten Film ganz gewiss noch nicht. Immer noch schwärmt er davon, wie „schön und toll“ es sei, sich selbst auf der Leinwand zu sehen. Bruno hat die Arbeit „am Set mit all den Leuten Spaß gemacht“.
Zehn Jahre älter als Bruno ist die Jungschauspielerin Hanna Schwamborn. Ihre Filmkarriere begann ähnlich jung. Nicht an der Seite vom Sandmann, sondern an der von Daniel Brühl drehte sie ihren ersten Film. Gerade mal acht Jahre alt, nahm die kleine Hanna „per Zufall am Casting zu ‚Good Bye, Lenin’ teil, das im Nachbarhaus stattfand.“ Sie wurde genommen und war nach ihren beiden Drehtagen von „der spannenden Atmosphäre am Set“ fasziniert. Sie fand es „aufregend, als Schauspieler das Zentrum von allem zu sein“, erinnert sie sich. Auch wenn Hanna damals „nicht wusste, wer ?Daniel Brühl ist“, war sie von der Idee angetan, dass er mit der Schauspielerei seine Existenz bestreitet. Hanna wollte ebenfalls weitermachen, obwohl ihre Eltern „anfangs nicht sehr begeistert waren“, schloss sie sich schließlich der auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Agentur Next Generation an, bei der auch Bruno Renne registriert ist.
Der Schritt in eine dieser Schauspielagenturen ist im Filmbusiness unvermeidlich. Sie fungieren als Schnittstelle zwischen Schauspieler und den Produktionen, vermitteln Castings und kümmern sich um rechtliche Belange wie erlaubte Drehzeiten oder die Steuer. Schauspielagenturen gibt es in den großen Filmstädten der Republik zahlreich: in Köln, Hamburg, München oder eben in Berlin. In Zeiten, in denen Casting-Shows lehren, dass jeder ein Popstar sein kann, wollen auch immer mehr Kinder Karriere machen, natürlich auch auf der Leinwand.
Schwamborns Agentur Next Generation wird von Silvana Liebich geleitet, die gleichzeitig auch eine Schauspielschule für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betreibt. Ihre und bundesweit zehn andere Agenturen gründeten gemeinsam den Verband Deutscher Nachwuchs-Agenturen (VdNA-Film), der mit transparenten Regeln Kindern und Eltern helfen will, seriös arbeitende Agenturen von den schwarzen Schafen der Branche zu unterscheiden. Silvana Liebich kommt aus der Fernsehproduktion und weiß: „Den Kindern wird das Gleiche abverlangt wie Erwachsenen.“ Schauspielerei ist Arbeit und die muss als solche für Kinderschauspieler klar geregelt sein. In ihre Agentur nimmt Liebich „nur Kinder und Jugendliche auf, von deren Talent ich überzeugt bin“ und warnt vor den vielen unseriösen Mitbewerbern, „die Kinder verwalten statt zu betreuen.“ In ihrer Agentur kümmert sie sich derzeit um 80 Kinder von sechs bis 20 Jahren und deren Eltern, die sie „auf die Rechte der Kinder aufmerksam macht“. Bei Next Generation lehren staatlich ausgebildete Schauspieler, die die Grundlagen der eigenen Ausbildung altersgerecht an Kinder und Jugendliche weitergeben. Bevor der Nachwuchs einsteigen darf, muss er jedoch eine Probestunde absolvieren, mit der Liebich feststellen will, „wo die Motivation der Kinder liegt.“ Oder ob diese gar, im schlimmsten Fall, nur von ehrgeizigen Eltern angetrieben werden.
Ihre Schauspielschule versteht sie „nicht als Sprungbrett in die Agentur.“ Dass der fließende Wechsel dennoch möglich ist, beweist Hanna Schwamborn, die als eine der ersten Kinder in der Kartei der Agentur geführt wurde und auch zu den ersten Schauspielschülerinnen zählt. Inzwischen verfügt Hanna, die sich „hauptberuflich“ allmählich aufs Abitur vorbereitet, in Sachen Schauspielerei über einige Erfahrung. Sie hatte Auftritte in Filmen („Stella und der Stern des Orients“), war aber auch immer wieder im Fernsehen zu sehen („Tatort“, „Polizeiruf 110“). Die Schauspielerei betrachtet sie noch immer als „ein Hobby, das man die ganze Zeit pflegt.“ Ob sie den Job vor der Kamera ein Leben lang machen will, weiß sie noch nicht. Denn noch genießt sie den Luxus, „die Schauspielerei ganz unverbindlich zu tun.“

Text: Denis Demmerle
Foto: 2010 Scopas Medien


Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland?
Deutschland 2010; Regie: Helmut Fischer, Jesper Mшller; 83 Minuten; ?siehe auch tip-Filmteil S.52


Verband Deutscher Nachwuchs-Agenturen? http://www.vdna.info/

„Next Generation“? Schauspielschule und Agentur für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Ludwigkirchplatz 2, Wilmersdorf, Tel.: 88 71 90 74/ -84, http://www.next-generation-schauspiel.de/

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