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Wieviel Computer und Internet ist gut für Kids?

Eifrig beugen sie ihre kleinen Köpfe über die Tastatur. Wie ließen sich doch gleich Dateien auf dem Computer finden? Wiebke und Jonas sind erst sechs und sieben Jahre alt und haben letzte Woche ihren ersten Computerkurs mit dem Erwerb des Juniorkompasses, eines Computerführerscheins, abgeschlossen. Nun probieren sie im Friedrichshainer Kinderfreizeitzentrum Känguruh aus, woran sie sich noch erinnern. Natürlich besitzen auch ihre Eltern einen Computer. Doch zu­sam­men mit anderen Kindern macht es im Freizeitzentrum viel mehr Spaß.

Wie in vielen anderen Kinder­freizeitzentren gibt es auch im Känguruh einen Computerraum, in dem der Nachwuchs den Umgang mit dem Computer spielerisch erlernen oder vertiefen kann. Viele Zentren bieten auch gemeinsame Kurse für Kinder und Eltern an, wie etwa das Medienkompetenzzentrum Meredo. Denn an einem kommen Eltern inzwischen kaum vorbei: Immer früher beschäftigen sich Kinder mit Computern, spielen an ihnen oder erledigen mit ihrer Hilfe die Hausarbeiten. Doch wie viel Computer ist eigentlich gut für ihre Kids, fragen sich beunruhigt viele Eltern. „Mit dieser Frage werden wir sehr häufig konfrontiert“, sagt Diplompsychologe Andreas Koch von Lost in Space, einer von der Caritas gegründeten Anlaufstelle für Mediensüchtige. Wichtig beim Umgang von Kindern mit dem Computer sei vor allem, dass die Eltern wüssten, womit sich ihre Kinder am Rechner beschäftigen und wie häufig sie das tun. Die 2008 durchgeführte Basisuntersuchung zum Medienumgang von Kindern zwischen sechs und 13 Jahren (KIM 2008) hat ergeben, dass rund zwei Drittel der Internetnutzer in diesem Alter mindes­tens einmal pro Woche online sind. 17 Prozent nutzen den Computer jeden Tag – was aber kein Grund zur Sorge sein muss.

Schließlich leben wir in einer Welt, in der der Umgang mit di­ver­sen Medien alltäglich ist und beherrscht werden sollte. Außerdem haben viele Netzanbieter Kinder­sicherungsprogramme im Angebot, mit denen Eltern ihren Nachwuchs vor dem Aufrufen ungeeigneter Webseiten schützen können. Im Känguruh ist die Computerzeit pro Kind auf eine halbe Stunde täglich begrenzt. „Wir bieten neben dem Computer viele andere Projekte an, die das freie Spielen in der Natur und mit Gleichalt­rigen fördern“, erklärt Ramona Herberg vom Team des Freizeitzentrums. Wie wichtig diese Alternativen sind, zeigen die möglichen Begleiterscheinungen des Computergebrauchs: „Aufmerksamkeitsstörungen, Suchtverhalten, Aggressionen, Übergewicht und Bewegungsmangel, Verschlechterung der schulischen Leistungen und der Sozialkompetenz können als Gefahr von zu intensiver Computernutzung ausgehen“, sagt Koch. Nicht umsonst ist die Computer- und Internetsucht im Mai dieses Jahres erstmals auch offiziell als Sucht anerkannt und in den Drogenbericht der Bun­desregierung aufgenommen worden.

Und die Grenzen sind schwer zu ziehen: „Wie viel Internet- und Computerkonsum gut für ein Kind ist, ist individuell verschieden und hängt auch davon ab, was das Kind am Computer macht“, sagt Andreas Koch. Außerdem sollten auch die Eltern stets Alternativen schaffen. Hobbys und Freizeitakti­vi­täten jenseits von Bits und Bytes dürften nicht zu kurz kommen.
In den Berliner Medien­kompe-tenzzentren werden regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Thema Computer und Kind angeboten. Für Eltern, die sich bereits Sorgen wegen des Umgangs ihrer Kinder mit Computer und Internet machen oder bei ihrem Nachwuchs gar Suchtverhalten vermuten, offeriert Lost in Space jeden zweiten Dienstag im Monat einen Informationsabend. Die Vivantes Kliniken bieten zudem entsprechende Therapien.
Dennoch ist bei vielen Kindern ihr natürlicher Bewegungsdrang immer noch der beste Regulator. Wiebke und Jonas jedenfalls haben sich angesichts der strahlenden Sonne längst wieder nach draußen verzogen, wo sie mit anderen Kindern in einem Wasserbassin planschen. Die Beschäftigung mit dem Computer heben sie sich lieber für schlechtes Wetter auf.

Text: Jasmin Seimann
Foto: Stephanie Hofschlaeger/Pixelio

Medienkompetenzzentrum Reinickendorf Namslaustraße 45/47, Reinickendorf, www.meredo.de, Tel. 432 30 56.
Weitere Medienkompetenzzentren unter: www.jugendnetz-berlin.de

Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin
Mainzer Straße 23, Fried­richshain, www.berlin-suchtpraevention.de, Tel. 29 35 26 15

Lost in Space der Caritas Wartenburgstraße 8, Kreuzberg, www.dicvberlin.caritas.de, Tel. 66 63 39 59

Vivantes Klinikum Hellersdorf Brebacher Weg 15, Hellersdorf, www.vivantes.de, Tel. 130 18 37 30

Vivantes Humboldt-Klinikum Frohnauer Straße 74–80, Frohnau, www.vivantes.de, Tel. 1 30 12 30 10

Weitere Internet-Anlaufstellen zur altersgerechten Computernutzung
www.compass-deutschland.net
www.spieleratgeber-nrw.de
www.spielbar.de
www.klicksafe.de
www.internet-abc.de
www.bpb.de

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