Kultur & Freizeit in Berlin

Fashion Week Berlin 2016

Deutsches Modedesign soll ­endlich als ­Kultur- und Wirtschaftsgut ­anerkannt und der Nachwuchs ­gefördert werden. Dafür setzt sich der Fashion Council Germany ein.

Fashion Week Berlin 2016

Berlin ist für Reisende, Studierende, selbst Kunstenthusiasten aus aller Welt ein beliebtes Ziel. Es ist ein Sehnsuchtsort – wegen Partys im Berghain, wegen der drei Opernhäuser, wegen Kultur und Geschichte. Alle schauen auf Berlin – außer wenn Fashion Week ist.
Eingezwängt zwischen den Modewochen in Paris, New York, London, Mailand, ja selbst Kopenhagen, bleibt für das Berliner Event international nicht viel Aufmerksamkeit übrig. Dabei braucht der talentierte Nachwuchs in dieser Stadt mit ihren neun Modeschulen gerade diese Plattform.
Die Sichtbarkeit des Modestandorts Deutschland international zu fördern, hat sich der Fashion Council Germany (FCG) weit oben auf die Agenda gesetzt. Gegründet wurde die Interessenvertretung des deutschen Modedesigns 2015 von 12 Experten in Berlin. Zu den Initiatorinnen gehören Christiane Arp, Chefredakteurin von Vogue Deutschland, und Anita Tillmann, Mitgründerin und Chefin des Messeveranstalters Premium Exhibitions.
Man hat durchaus erkannt, dass die Lobbyarbeit in der Heimat beginnen muss. Wie soll man im Ausland Anerkennung finden, wenn die Industrie nicht einmal im Inland ausreichend geachtet wird. So lange in deutschen Fernsehnachrichten eher über die mehr oder weniger Prominenten in der ersten Reihe bei den Modenschauen berichtet wird, als über die kreativen Leistungen oder der deutschen Mode als Wirtschaftsfaktor, ist noch viel zu tun.
So ist die Etablierung deutschen Modedesigns als Kultur- und Wirtschaftsgut eine der Herausforderungen des FCG. Das fordert Lobbyarbeit in Politik, Wirtschaft und Kultur. Und es bedarf einer besseren Vernetzung von Industrie, Modedesignern und Forschung.
Natürlich soll der Council auch in die Zukunft schauen. Die Nachwuchsförderung ist der Bereich, in dem es schon am meisten zu sehen gibt. Unter der Leitung von Vorstandsmitglied Claudia Hofmann und in Kooperation mit dem Berliner Senat für Wirtschaft, Technologie und Forschung wurde ein erstes Mentoring-Programm lanciert, das seit September 2015 die Modemacherinnen Marina ?Hoermanseder (Foto oben) und Nobieh Talaei (s. Titelgeschichte) unterstützt. Beide Designerinnen wurden im Rahmen des Berliner Mode Salons in Paris einer internationalen Öffentlichkeit präsentiert. Das Label Nobi Talai eröffnet die kommende Ausgabe des Salons im Berliner Kronprinzenpalais. In diesem Jahr soll das Pilotprojekt nun auf eine zweijährige Unterstützung im Rahmen eines Fellowship-Programm ausgebaut werden, um noch mehr Kontinuität für die Nachwuchsförderung zu schaffen.
„Mehr internationale Beachtung für deutsche Mode ist das Fundament für eine erfolgreiche ‚Mode designed in Germany’. Der Council hat daher maßgeblich darauf hingewirkt, dass sich Berlin besser im internationalen Schauenkalender einfügt„, sagt Christiane Arp. Wenn bei zukünftigen Modewochen in Berlin mehr internationale Designer vertreten sind, sich mehr internationale Presse akkreditiert, wird nicht nur der kreative Nachwuchs von der Aufmerksamkeit für das Gesamtkonzept profitieren, auch für die Modekreativwirtschaft und den Wirtschaftstandort wird das von Vorteil sein. Und dafür ist der Sitz des Fashion Council Germany ideal, denn alle wollen nach Berlin.

Text: Stefan Sauerbrey

Foto: Stefan Armbruster

www.fashion-council-germany.org

Boutique
Modedesigner lassen sich von der Kunst inspirieren und Mode findet man in der Kunstwelt wieder. Sowohl Künstler, als auch Designer haben an dieser weltweit erfolgreichen Ausstellung aus Finland gemeinsam gearbeitet.
22.1.–28.3., Mo–Fr 10 –19 Uhr, Sa–So 11–16 Uhr, Felleshus/Nordische Botschaften, ?Rauchstr. 1, Tiergarten

Personalities
Einst von Karl Lagerfeld entdeckt, gehört der Schweizer Fotograf Michel Comte zu den wichtigsten und einflussreichsten Fotografen der Gegenwart. Bekannt wurde er durch seine Modefotografien, die er für die Vogue Italia, Vanity Fair und GQ machte. Es ist ein vielschichtiges Frauenbild, das er geschaffen hat – von meisterlich inszenierten, aber auch spontanen Momenten. Es sind nicht die Kleider, die im Vordergrund der Bilder stehen, sondern die Persönlichkeiten.
Vernissage 21.1. ab 18 Uhr, 22.1.–2.4., Mo–Fr 11–20 Uhr, Sa 10–18 Uhr, Galerie 206 im Departmentstore Quartier 206, ?1. OG, Friedrichstr. 71, Mitte

Designer Sample Sale ?und Polish Designers
Mode von mehr als 30 jungen Berliner Designermarken wie Miroike, Reality Studio oder auch Franzius werden im Sample Sale der Projektgalerie zu erschwinglichen Preisen angeboten. Die Berliner Modeszene (Foto) öffnet sich den Design-Schnäppchenjägern. Des Weiteren wird nebenan im Quadrat Shop polnischen Designern die Chance geboten, ihre Kollektionen vorzustellen.
18.1.–24.1., 11–20 Uhr, Pop Up Store, Gormannstr. 23, Mitte

Lavera Showfloor und ?Pop Up Store
Die Nachwuchsdesignerin Roshi Porkar und das ebenso aus Wien stammende Designer-Duo Meshit stellen ihre Kreationen vor, die frischen Wind in die Szene der umweltgerecht hergestellten Mode bringen. Ab 12 Uhr ist ein Pop-up-Store geöffnet, der nachhaltig produzierte Schönheitsprodukte anbietet.
Anmeldung für den Showfloor unter: www.lavera-showfloor.de
21.1., ab 12 Uhr, E-Werk, ?Wilhelmstr. 43, Mitte

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