Mode

Fashion Week Berlin 2017

Die Mode wird schneller. Auch bei der Fashion Week in Berlin spielt das neue Konzept „see now, buy now“  eine immer wichtigere Rolle: vom Laufsteg direkt in den Laden

Bilder

Fashion Week in Berlin. Ob in den Tageszeitungen, im Fernsehen oder in Online-Blogs – es wird ausführlich berichtet. Eben noch auf dem Laufsteg sind die besten Bilder und spannendsten Entwürfe schnell überall zu sehen. Aber zu kaufen gab es die neuen Kollektionen der Designer noch nicht. Denn bis vor kurzem war Geduld bis zur kommenden Saison gefragt. So war es, so wird es aber nicht bleiben. Immer mehr Modedesigner, international zum Beispiel Burberry, Tom Ford und Ralph Lauren, bringen ihre Entwürfe direkt vom Catwalk in die Läden.
In Deutschland startete 2016 der Berliner Online-Händler Zalando mit diesem Konzept. Dazu wurde die Modemesse Bread & Butter übernommen. Die gezeigten Kollektionen waren im Anschluss sofort online verfügbar. Wie gut das funktioniert hat, lässt sich noch nicht sagen. Zalando hält sich bedeckt, was eine zweite Auflage der neuen Bread & Butter betrifft. Dennoch geht Fashion Week-Veranstalter IMG auch in diese Richtung.
Die Winterausgabe der Mercedes Benz Fashion Week Berlin baut erstmals kein Zelt auf, sondern zieht in das Kaufhaus Jandorf. Die Schauen sind zwar weiterhin einem Fachpublikum vorbehalten, aber ein neues Angebot öffnet sich dem modeinteressierten Endverbraucher. In „The Shop“ werden einige neuen Kollektionen sofort nach der Schau zu erwerben sein. Das Besondere: Anders als bei der Bread & Butter werden hier vor allem junge, kreative Designer angeboten.
Das ist natürlich ein Experiment. Der alte Kreislauf hatte ja auch Sinn: Der Designer zeigt neue Entwürfe, der Handel ordert, was er für verkäuflich hält, der Designer lässt die Kleidung herstellen, der Handel legt sie in die Regale. Beim neuen Konzept „see now, buy now“ muss zur Show auch ein Teil der Kollektion schon produziert sein. Der Kunde soll sofort zugreifen können. Was passiert, wenn der Handel das Angebot nicht annimmt? Nicht alle Modemacher werden mitmachen.
Aber Designer Ivan Mandzukic findet es für sein Label Ivanman besser, die neue Kollektion zu zeigen und direkt im Anschluss in „The Shop“ im Kaufhaus Jandorf zu verkaufen. Es macht ihm mehr Spaß, als eine „alte“ Kollektion zur Produktion vorzubereiten. Auch Vladimir Karaleev und Michael Sontag werden einen Teil ihrer Kollektion sofort verfügbar machen.
So wie im internationalen Fashionbusiness steht also auch in Berlin die Modeszene an einem Wendepunkt – wie es ausgehen wird, kann man im Augenblick nicht einschätzen. Aber – und das ist die gute Nachricht – es tut sich etwas.

The Shop: 17.–20.1., 9–20 Uhr, Kaufhaus Jandorf, Brunnenstr. 19-21, Mitte

www.fashion-week-berlin.com

Foto: Brachmann

Termine:

Projekt-Galerie
Einzigartiges Design – von international erfolgreichen Designern sowie von Modemachern kurz vorm Durchbruch – wird zu Top-Preisen angeboten. Mit dabei sind die Berliner Jeansdesigner Versuchskind, die Wollspezialistin Maiami und die sexy-eleganten Outfits von DSTM und Augustin Teboul.
16.–22.1., 11–21 Uhr, Vector, Gormannstr. 23, Mitte

Der Berliner Mode Salon im KaDeWe
Auch in dieser Saison gibt es die Kooperation vom Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais mit dem KaDeWe. In der zweiten Etage wird die kommende Frühjahr/Sommer-Kollektion verkauft. Mit dabei sind Malaika Raiss, Tim Labenda, Vladimir Karaleev, William Fan, Mykita und Nobi Talai.
Ab 16.1. für ca. vier Wochen, Mo–Sa 10–20 Uhr, KaDeWe, Tauentzienstr. 21–24, Schöneberg

Esther Perbandt
Seit 13 Jahren betreibt Esther Perbandt das gleichnamige Modelabel. Sie gilt als einer der kreativsten Designer in Berlin. Bei ihren Präsentationen verbindet die Modemacherin Bühne, Musik und Mode zu einem Gesamtkunstwerk – mit dabei fast immer ihr Partner, Volksbühne-Schauspieler Alexander Scheer. In diesem Jahr wird die Kollektion in einem Bühnenbild des legendären Bert Neumann präsentiert und die Musik wurde von Sven Helbig komponiert.
Di 17.1., 20 Uhr, Volksbühne, ausverkauft

Uli Richter Revisited
Noch bis zum 5. März läuft die Sonderausstellung „Uli Richter Revisited – Modedenker, Lehrer, Inspiration“. Uli Richter war der wichtigste Modemacher im Nachkriegs-Berlin – mit Modellen und Schautafeln lässt sich die einzigartige Karriere des in Potsdam geborenen Designers verfolgen. Ebenso empfehlenswert: die Dauerausstellung der Sammlung Kamer/Ruf.
Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr, Kunstgewerbemuseum, Matthäikirchplatz, Tiergarten

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