Musik & Party in Berlin

Fenster im SchwuZ

Unter dem doch recht teutonischen Namen haben sich gebürtige Amerikaner, Franzosen und Polen zusammengetan. Ihre Musik ist minimal, erdig und wunderschön.

Fenster

Berlin verändert sich ständig. Junge Menschen aus allen Ecken der Erde ziehen zu uns und bereichern die Kultur. Einer, der diesen Umstand um keinen Preis missen möchte, ist Jonathan Jarzyna. Der 28-jährige Multiinstrumentalist und gebürtige Pole lebt seit 1992 in dieser Stadt. Musik war für ihn immer wichtig, wichtiger als die Schule. Nur war es nicht so einfach, unter alteingesessenen Berlinern die richtigen Partner für die gemeinsame Sache zu finden. „Ich habe in einigen Bands gespielt, aber nie Leute gefunden, mit denen es funktioniert. Wir haben es noch nicht mal bis zum ersten Live-Auftritt geschafft, weil andauernd irgendwelche Egos im Weg standen. Das änderte sich, als ich JJ kennenlernte. Mit ihr war sofort eine Chemie da. Sie hatte diese unkomplizierte amerikanische Art an sich und packte alles mit viel Optimismus an.“ Jonathan spricht von seiner ein Jahr jüngeren Bandkollegin JJ Weihl, die in New York geboren wurde und aufgewachsen ist. Nach einem Besuch in Berlin ist die ehemalige Filmstudentin vor fünf Jahren hier hängengeblieben. Sie hatte vorher nicht in Bands gespielt, sondern ihre Songs zu Hause für sich mit der Gitarre geschrieben. Auch sie spürte nach den ersten Proben mit Jonathan, dass etwas Besonderes entsteht.
FensterIhr erstes Album „Bones“ haben Fenster innerhalb von acht Tagen in ihrem Studio in Steglitz aufgenommen. Veröffentlicht hat es Thomas Morr bei seinem immer etwas unterschätzten Label Morr Music. Das Album ist ein Juwel. Die Songs gut, egal, ob sie „Oh Canyon“, „Gravediggers“ oder „Fisherman“ heißen. Man entdeckt Folk-, Psychedelia- oder Surf-Rock-Einflüsse und Spuren von The Velvet Underground oder den frühen Yo La Tengo. Ergänzend begeben sich Fenster auf die Suche nach eigenen Klangquellen. Auf sie legen sie viel Wert. „Wir haben die Geräusche in Lastenaufzügen, auf Balkonen, im Zug, beim Schlagen von Türen oder Zertreten von Gläsern aufgenommen. Gerade Dinge, aus denen sich ein Perkussionseffekt erzeugen lässt, interessieren uns. Tom Waits hat auch auf solche Dinge geachtet. Das ständige Rumpeln und Rascheln in seinen Songs sorgt für erdigen Charakter.“
2012, nach der Veröffentlichung von „Bones“, waren JJ und Jonathan zusammen mit den anderen Mitgliedern, Schlagzeuger Rйmi Letournelle und Produzent Tadklimp, häufig unterwegs und erlebten dabei die seltsamsten Dinge. Einmal waren sie in Pforzheim, wo man ihnen schon nach Ankunft auf dem Bahnhof mit großer Bestimmtheit Kokain anbot. Während des Soundchecks für einen Auftritt im Amsterdamer Goethe-Institut wurde in ihren Van eingebrochen und Equipment gestohlen. Im italienischen Padua ging ihr Wagen in Flammen auf. Andere Musiker fangen nach solchen Rückschlägen schon mal zu grübeln an. Nicht so JJ und Jonathan. Kleine Katastrophen sind für sie ein Ansporn. Ihren Bandnamen hatten sie gefunden, nachdem ein leibhaftiges Fenster auf JJ’s Kopf zerbrochen war.
Idyllischer geht es auf dem Anfang März erscheinenden zweiten Album „The Pink Caves“ zu. Es evoziert Bilder einer Traumlandschaft, in der Instrumente und Stimmen anders klingen, das Licht mehr leuchtet und man vom Flug der Vögel und Insekten berauscht wird. Das ist ja immer eine Eigenschaft von guter Musik. Sie versetzt an einen Ort, an dem sich alles besser anfühlt. Fenster haben einen gefunden, den man unbedingt erkunden sollte.

Text: Thomas Weiland

Fenster, ?SchwuZ, Sa 22.2., 21 Uhr, VVK 10 Euro zzgl. Gebühr

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