Berlinale 2014

Filmkritik: Kraftidioten

Stellan Skarsgard zeigt sich einmal mehr als schweigsamer Protagonist mit Hang zur Kriminalität

Kraftidioten Berlinale 2014

Es beginnt alles ganz harmlos. Nils (Stellan Skarsgеrd) und seine Frau machen sich schick, denn er soll in seinem norwegischen Dorf zum „Bürger des Jahres“ ausgezeichnet werden. Mit seinen Schneepflügen sorgt er dafür, dass die Wege ins und um das Dorf frei bleiben.
Als Nils am nächstem Tag erfährt, dass sein Sohn an einer Überdosis Heroin gestorben sei, bricht die heile Welt des schweigsamen Mannes zusammen. Er glaubt nicht daran, dass Ingver an der Nadel gehangen hat und macht sich daran, die vermeintlichen Mörder seines Sohnes aufzuspüren. Schnell wird klar, dass Nils bei der Suche nach den Schuldigen wenig zimperlich vorgeht und so wird auch der Hinweis von Regisseur Hans Petter Moland, der im Vorspann über den englischen Originaltitel des Films bereits ankündigt, die Leute „in der Reihenfolge ihres Ablebens“ aufzulisten, schnell schlüssig und zu einem Running Gag, der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film zieht.
Nils beginnt einen blutigen Rachefeldzug, der sich schließlich zu einem ganzen Bandenkrieg in der norwegischen Unterwelt ausweiten wird. Gewürzt mit mehr als nur einer Prise rabenschwarzen Humors kommt einem bei den unendlichen Weiten norwegischer Schneelandschaften mitunter die US-amerikanische Kleinstadt „Fargo“ in den Sinn, der die Coen-Brüder in ihrem Genremix aus schwarzem Humor, viel Blut und wunderschönen Bildern einst ein Denkmal setzten.
Nicht weniger tut Moland mit seinem Film über norwegische, schwedische, dänische, aber auch serbische Eigenheiten, die er hier pointiert auf die Spitze treibt. Wenn sich zwei
serbische Gangster über die Vorzüge norwegischer Gefängnisse unterhalten („Es gibt warmes Essen und wenn man arbeitet, gibt es Punkte für die Rentenkasse“) und norwegische Ganoven der Meinung sind, dass es Wohlfahrtsstaaten nur in kalten Ländern gebe, weil man ja in warmen Ländern an den nächsten Baum gehen könne, um sich eine Banane zu pflücken, dann ist das nicht nur politisch bewusst unkorrekt, sondern karikiert in wunderbarer Weise auch die Schroffheit der Menschen, die ihrer unwirtlichen Umgebung nicht unähnlich sind.

Text: Martin Zeising

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Kraftidioten (In Order of Disappearance), Norwegen/Schweden/Dänemark 2013; Regie: Hans Petter Moland; Darsteller: Stellan Skarsgеrd, Bruno Ganz, Pеl Sverre Hagen, Birgitte Hjort Sшrensen; 115 Minuten

Weitere Termine:
Di 11.2., 9:00 Uhr
: Haus der Berliner Festspiele
Di 11.2., 12:30 Uhr
: Friedrichstadt-Palast
Di 11.2., 21:30 Uhr
: Haus der Berliner Festspiele
Mi 12.2., 18:30 Uhr
: Passage
So 16.2., 18:00 Uhr
: Friedrichstadt-Palast

 

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