Filmreihen und Werkschauen im Juni

Im Juni wird zurückgeblickt: Auf das britische Nachkriegskino, auf die Filme von Annekatrin Hendel sowie auf selbstreflexive DEFA-Produktionen. Außerdem zeigt das Sínema Transtopia rare Entdeckungen. Unsere Filmredaktion stellt vor, was in den Berliner Kinos im Mai außer der Reihe läuft.
8.5.–27.6. DEFA im Zeughauskino
Schon seit Mai läuft im Zeughauskino ein höchst spannendes Programm, das sich mit der DEFA-Produktion beschäftigt und im Juni noch zahlreiche wichtige Termine hat: Michael Grisko hat aus dem riesigen Bestand des Filmstudios der ehemaligen DDR Beispiele ausgewählt, in denen das Kino sich mit sich selbst beschäftigt. Hervorzuheben sind „Über die Grenzen“ (1990) von Rainer Ackermann, ein Spielfilm über einen Dokumentarfilmer, der einen Radrennfahrer porträtiert. Oder „Alle meine Mädchen“ (1980) von Iris Gusner, ebenfalls ein Spiel mit Fiktion und (offizieller Auftrags-)Dokumentation. Wer ein nuanciertes Bild von der DDR sucht, wird bei der DEFA sehr oft fündig.
Zeughauskino Pei-Bau, Hinter dem Gießhaus 3, Mitte, Infos online
30.5.–11.6. Annekatrin Hendel
Die Ost-Berliner Regisseurin Annekatrin Hendel hat zuletzt mit einem Dokumentarfilm über den Fußballverein Union Berlin ihren unabhängigen Blick auf die Geschichte der Stadt und Deutschlands bewiesen. Sie hat sich auf vielfache Weise mit dem Erbe der DDR und mit den Mentalitäten, die aus dem 20. Jahrhundert kommen, beschäftigt. Unter dem Titel „Vergangene Zukunft – Zwei Jahrzehnte Annekatrin Hendel-Filme“ versammelt das Lichtblick Kino nun die bisherigen Titel, darunter so wegweisende Dokumentarfilme wie „Vaterlandsverräter“, das Porträt eines Mannes, der aus allen Rastern fällt, die man über den Unrechtsstaat DDR legen könnte.
Lichtblick-Kino Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg, Infos online
3.–11.6. Sínelection
Die Reihe Sínelection ist ein regelmäßiger Bestandteil im Programm des Sínema Transtopia. Sie bildet einen Oberbegriff für die kontinuierliche Recherche nach wichtigen Titeln von Festivals und aus Kontexten, die der Verleihbetrieb nicht immer aufgreifen kann. So kann im Juni zwar auch „Dao“ von Alain Gomis in der Sínelection laufen, der aktuell auch ins Kino kommt (siehe Seite 90). Kurz darauf taucht dann aber ein Film auf, der vielleicht nur einmal in Berlin laufen wird: „Maia – Portrait With Hands“ von Alexandra Gulea (die Regisseurin wird auch persönlich anwesend sein): Die Tochter des legendären rumänischen Filmregisseurs Stere Gulea erzählt ihre Familiengeschichte, die stark mit dem Schicksal einer ethnischen Minderheit verbunden ist, den Aromunen, die in Thessaloniki ein Zentrum hatten. In ihrer Großmutter Maia findet Alexandra Gulea eine Repräsentantin eines Südosteuropas jenseits von Nationalismus und Ideologie, aber auch in einer kritischen Distanz zur Moderne.
Sinéma Transtopia Lindower Str. 20/22, Haus C, Wedding, Infos online
4.–28.6. Great Expectations: Britisches Nachkriegskino
Die Geschichte des Vereinigten Königreichs nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen zuletzt unter anderem Fans der Serie „The Crown“ neu und spannend erzählt. Nicht nur für solcherart einschlägig Vorgebildete hat das Kino Arsenal im Juni eine Reihe im Programm, die mit zwölf Filmen diese Periode im britischen Kino erschließt. In England hatte der Antifaschismus auch eine starke Kinotradition, doch die Jahre nach 1945 erwiesen sich gesellschaftlich als schwierig. Die Reihe „Great Expectations“ schließt eine Lücke bis zum Free Cinema in den späten sechziger Jahren. Zu sehen sind Filme von der großartigen Muriel Box (Eröffnung mit „Simon and Laura“), von Carol Reed (von dem nicht nur „The Third Man“ genial ist, das Arsenal zeigt „The Fallen Idol“ und „Odd Man Out“), oder von Ralph Thomas (unser Geheimtipp: „The Clouded Yellow“).