Pathos-Folk

Fleet Foxes im Festsaal Kreuzberg

Die ausgefuchsten Fleet Foxes besingen kongenial ihre Bandkrise

Shawn Brackbill

Der neuen Platte der Fleet Foxes nähert man sich am besten über den Titel. Er ist eine Anspielung auf F. Scott Fitzgeralds autobiografischen Essay aus dem Jahr 1936 „The Crack-Up“, zu Deutsch: „Der Knacks“. Darin schreibt er: „Und dann wurde mir allmählich klar, dass ich die letzten zwei Jahre meines Lebens auf Ressourcen zurückgegriffen hatte, die ich gar nicht besaß; dass ich mich verpfändet hatte, physisch und spirituell.“ Nach der letzten Tour war die Band derart zerstritten, dass Frontmann Robin Pecknold nach New York zog, um zu studieren. Dort rutschte er in eine Identitätskrise. Monatelang tat er nichts anderes, als zu lernen oder Sport zu treiben. Seine asketischen Routinen nahmen masochistische Züge an. Eine vereinsamende Erfahrung, die er auf „The Crack-Up“ verarbeitet.
Vor einer rauschenden Kulisse wispert Pecknold, dann setzen Zither, Mandoline, Banjo und Gitarre ein und lassen warmen, gleißenden und erhabenen Folk ertönen. Dazu mischen sich mehrstimmiger Gesang sowie Noten von barockem Psychedelic und traditioneller japanischer Musik. Alles beim Alten? Mitnichten! Fleet Foxes‘ neues Album ist durchzogen von hohem künstlerischem Anspruch. Jeder Song ist ein Epos, der verschiedene emotionale Phasen durchläuft und dem Hörer einiges abverlangt. Das gilt auch für die Songtexte, die jeden Poesie-Leistungskurs an seine Grenzen bringen dürfte. Ein komplexes Stück Musik, gestrickt mit dem Herzen und mit dem Herzen only.

Festsaal Kreuzberg Am Flutgraben 2, Treptow, So 25.6., 20 Uhr, ausverkauft