Shopping und Stil in Berlin

Flohmarkt am Boxhagener Platz: Lampen, Liebhaberstücke und Live-Acts

Der Flohmarkt auf dem Boxhagener Platz gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Trödelmärkten der Hauptstadt.

Boxi_DvBKiezbewohner, Berliner aus anderen Bezirken, aber auch viele Touristen finden hier eine große Auswahl an Angeboten von Privatverkäufern, aber auch zunehmend von professionellen Händlern. Das quirlige Treiben ist aber auch Anziehungspunkt für zahlreiche Straßenkünstler, die für spontane Pantomime-Acts und Musikeinlagen sorgen. Sehr angenehm auch die vielen Cafйs, Restaurants und Imbisse der angrenzenden Straßen, in denen man vom Trubel pausieren und sich stärken kann. Wie bei den meisten Flohmärkten ist auch auf dem Boxhagener Platz die Hochsaison im Sommer. Bei warmen Temperaturen macht das Flanieren nicht nur mehr Spaß, auch die Händler sind entspannter und eher zu einem Schwätzchen aufgelegt, wenn keine Minustemperaturen sie quälen. Nur Christian Frick (großes Foto) ist nicht wirklich ein Freund von langen, hellen Sommerabenden. Denn die Geschäfte des Lampenexperten gehen in den Monaten mit den kurzen Tagen erquicklicher. Sehr viel ersprießlicher ist für ihn dagegen, dass es immer mehr Menschen auch temporär nach Berlin zieht. Erst richten die sich ein, brauchen Lampen, ziehen aber bald weiter, um neuen Bewohnern mit anderen Geschmacksvorstellungen Platz zu machen. Fricks bekanntestes Lampenmodell sind übrigens die Flurlampen aus dem Palast der Republik. Die Modelle mit drei silbrig glänzenden Fassungen aus dem Kombinat VEB Leipzig rettete Frick beim Abriss von Erichs Lampenladen vor ihrem Untergang. Sein persönlicher Favorit aber ist eine Stehlampe aus den 1970er-Jahren mit drei unabhängig voneinander schaltbaren Leuchtstationen in der Lampenstange. Die sei damals schon verdammt groovy, chic und selten gewesen, sagt der Lampenexperte, der den Betrag seiner privaten Stromrechnung dann doch lieber für sich behält: „Einfach zu viele Lampen.“

Etwas weiter besticht der Stand von Friedhelm Schmitz, einem ehemaligen Schauwerbegestalter, durch Struktur und Ordnung. Vieles ist praktisch und formschön. Wie der kleine Verbandskasten, der in keinem Haushalt der 1960er-Jahre zur Erstversorgung der Dame des Hauses fehlen durfte. Weitere Prunkstücke: Autogrammkarten der einstigen Fußballgrößen Willi Schulz und Siggi­ Held. Wie bei so vielem „kommen die Sachen einfach zu mir“. Freunde und Nachbarn wissen, dass er vieles verwerten kann, und geben ab. Begeistern kann sich der Universalhandwerker für grundsolides Werkzeug wie seine Schraubendreher mit Holzgriff. Viele der heutigen Nachfolgemodelle seien auf schnellen Verschleiß ausgerichtet und lieblos in der Gestaltung, findet Schmitz. Michael Strübing, der ebenfalls einen Stand auf dem „Boxi“ hat, erläutert geduldig die Funktionsweise des Zahnrädchens der Briefmarkenlupe. Viele seiner Stücke brauchen Erklärungen, wie auch der Siemens-Filmprojektor aus den 1930er-Jahren oder der handbetriebene Kopierer, der früher in der Flugblattvervielfältigung eingesetzt war. Die Tintenflasche an der Seite bringt die Farbe über eine Walze auf die Blätter, allerdings ist nach fünfzig Kopien Schluss und eine neue Wachsmatrize muss her. Strübings Liebling des Tages ist eine Ausgabe der amerikanischen Herrenzeitschrift Esquire“ von 1937. Werbeanzeigen für Hosenträger oder herrenpopomodellierende Trikotagen findet man einfach nicht mehr in so drolliger Ausführung.

Text: Katrin Falbe

Foto: David von Becker

Flohmarkt am Boxhagener Platz Boxhagener Platz, Friedrichshain, jeden So 10–18 Uhr, www.boxhagenerplatz.de/1222.0.html