Ein Schweizer Modemacher in Berlin

Florian Holdener macht in Berlin nun sein eigenes Ding

Er trägt ein schwarzes T-Shirt aus seiner eigenen Produktion, dazu eine Chino-Hose von Cos, an den Füßen weiße Sneakers. Er spricht mit warmer Stimme und schweizerischem Akzent, freundliche braune Augen schauen aus einem schmalen Gesicht.

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Florian Holdener steht nicht gerne im Vordergrund. So unaufgeregt ist auch seine Herren­mode. Die erste Kollektion des Designers, entworfen in Berlin und gefertigt in Italien, besteht aus Jacken, Mänteln und hochwertigen Basics. „Meine Kollek­tion ist demokratisch“, sagt Florian Holdener. Tragbar für jeden Mann, jeden Alters, für jeden Wochentag – und jede Gelegenheit, zum Beispiel der klassische Car Coat für den anspruchsvollen ­Büroarbeiter. Der warme, aber schicke Parka für den schmuddeligen Berliner Winter, die mit Daunen gefüllte Bomber-Jacke, um die heute kein modebewusster Mann herum kommt. Die Lammfelljacke – nicht nur für einen Trip nach Sibirien.
Seit wenigen Wochen bespielt Holdener seine Räume in der Uhlandstraße. Sein Laden liegt im Lichthof einer Passage, zwischen Fotoatelier und Reisebüro und ist Showroom und Atelier in einem. Morgens setzt er sich an den Rechner und entwirft. Am Nachmittag öffnet er den Laden für die Kundschaft. Für die City West entscheidet er sich bewusst. In den In-Bezirken Kreuzberg und Mitte sind die Mieten teurer – und das Geschäft sehr schnellebig.
Florian Holdener ist 35 Jahre alt, „ein alter Hase der Branche“, findet er. Mit 17 beginnt er eine Ausbildung als Couture-Schneider in Zürich und entwirft aufwendige, von Hand genähte Abendkleider. Mit 20 zieht der fertige Schneider nach Basel und studiert Modedesign. Das Kreative liegt ihm in den Genen. Der Label-Zusatz „Klaesi“ war der Mädchenname seiner Mutter, der Opa ein bekannter Schmuckdesigner in der Schweiz.
Nach der Ausbildung will Holdener sich ausprobieren, gucken, wie andere Modemacher arbeiten. In New York wird er schauen, wie bei Tim Hamilton gearbeitet wird.
Schließlich kommt ein interessantes Jobangebot aus Stockholm, von H&M. Mode für die Massen zu schaffen – die Aufgabe reizt ihn. Bei den Schweden ist Tempo angesagt, in der Designabteilung arbeiten 1500 Menschen. Warum braucht man diesen Knopf? Kann man auf diese Leiste nicht verzichten? Jedes dekorative Extra kostet. „Die Designer dort lernen schnell, ihre Entwürfe zu verteidigen“, resümiert Holdener. Drei Jahre später geht er nach Berlin, zu Zalando. Das Team ist klein. Bei H&M gab es noch Spezialisten und Helfer für alles. Beim Internet-Vertrieb, der auch eigene Kollektionen auf den Markt bringt, ist flexibles Arbeiten gefragt.
„Ich möchte keine meiner Stationen missen“, sagt er heute. Erst jetzt weiß er, was ihm wirklich wichtig ist. Große Messen und Modenschauen schon mal nicht, Chichi auch nicht. Er will es langsam angehen lassen, seine Kollektionen sorgfältig aufbauen. Auf die Jacken und Mäntel wird eine ­Hosenkollektion folgen, in einem Jahr sollen Hemden und Strickwaren sein Sortiment erweitern. Möglicherweise hat das eine oder andere Stück das Zeug, sich zum Klassiker zu entwickeln.

Text: Kirsten Niemann

 

Klaesi Holdener
Uhlandstr. 170
Charlottenburg
Tel. 88 91 71 55

Di–Fr 12–18 Uhr, Sa 10–16 Uhr

www.klaesiholdener.com

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