International

Floriane

Eine Wirtin aus Mitte, ein sehr guter Koch und eine Institution in Charlottenburg: Das Florian heißt jetzt Le Bar. Operation geglückt Vermutlich ist der Februar der beste Monat, um diesem halbhoch holzvertäfelten und vollends charmanten Lokal entdeckungshungrig zu begegnen. Denn das Le Bar, das war bis eben noch das Florian. Spätestens also wenn Berlin zur Berlinale lädt, sitzen in der Grolmannstraße 52 die Mythen mit an den Holztischen. Hier traf man sich, nicht nur nach den Filmen.

Le Bar
Foto:

Die Transformation einer Institution, nicht weniger hat Silke Opladen, der in Mitte bereits die Institution Mädchenitaliener gehört, gewagt. Und es macht diese Aufgabe nicht unbedingt leichter, dass das Florian (bis zur Übernahme vor zwei Jahren, danach wurde es zunehmend bedeutungslos) nicht unbedingt für das Kulinarische geliebt worden ist. Eher fürs Gefühl und die Rostbratwurst. Nun, künftig geht es (auch) um den puren Geschmack. Der ziemlich talentierte Simon Dienemann, er kommt von Kolja Kleeberg und zuletzt aus dem Tulus Lotrek, ist Chef einer kleinen Karte und eines noch kleineren Teams. Die Muscheln mit den dreifach frittierten Fritten (16 Euro) sind nicht nur angenehm kurz gekocht, Dienemann gibt diesem Gesellschaftslokalteller auch eine geschmackvolle Entschlossenheit. Bei der Burrata mit Mango und Trompetenpilzen überrascht eben dieser Dreiklang – seine präzise abgeschmeckte Verhältnismäßigkeit überzeugt. Und die Interpretation des griechischen Jogurts (samt Lorbeereis) zeigt im Nachgang, dass es dem jungen Koch – und mehr noch dem Le Bar – nicht unbedingt um den einen roten Faden geht. Aber um eine Küche, die jederzeit Spaß macht, ohne das kulinarische Intellekt zu unterfordern.

So bleibt der einzige Teller, der uns an diesem Abend ratlos zurücklässt, ein Zugeständnis an die alte Kundschaft. Nicht jene aus dem Florian, sondern aus dem Mädchenitaliener. Die Tagliatelle mit Feigen, Salsiccia, vor allem aber Honig und einer Essigreduktion sind mindestens doppelt zu süß. Er hat sich eben verändert, der Geschmack dieser Stadt. Aber Silke Opladen und die aromenintensive Küche von Simon Dienemann sind auf gutem Weg, einen Ort zu etablieren, der dieser Entwicklung geschmackvoll wie atmosphärisch überzeugend Rechnung trägt. Schöne, gastfreundlich kalkulierte Weinauswahl, vom Bodensee bis in den Burgund und zu Spontanvergorenem.


Le Bar

Grolmannstr. 52, Charlottenburg, Tel. 23 53 53 69, Mo-Sa ab 18 Uhr, www.lebar-restaurant.de

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

[fbcomments]