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Die Textur ist wichtig: das Burma Bliss und die Geschichte von den fermentierten Teeblättern

William Lin und Min Thu Swe eröffnen das erste burmesische Restaurant Berlins in Charlottenburg. Dabei achten sie auf Authentizität und verschiedene Texturen in ihren Gerichten
Text: Nora Nemes
Veröffentlicht am: 26.03.2026
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William Lin (links) und Min Thu Swe, die Gründer von Burma Bliss. Foto: Makar Artemev 

Dass die asiatische Küche, besser, die asiatischen Küchen angekommen sind in Berlin, ist keine Neuigkeit mehr. Berliner:innen sind längst daran gewöhnt, authentischen Mango-Klebereis, Pho Bo oder koreanisches Hähnchen gleich an der nächsten Ecke zu finden. Die thailändische, vietnamesische, japanische und koreanische Küche sind zum festen Bestandteil der täglichen Esskultur geworden. Die burmesische Küche hingegen blieb unentdeckt – bis jetzt.

Hinter Burma Bliss stehen William Lin und Min Thu Swe. In Myanmar aufgewachsen, lernten sie sich während des Studiums in Frankfurt am Main kennen. Jahre später gründete Lin Laphet ein Unternehmen, das sich der Herstellung von Produkten aus fermentierten Teeblättern widmet, die eine prägende Zutat der burmesischen Küche sind. Und präsentierte seine Geschäftsidee in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“.

Min Thu Swe hatte eher zufällig eingeschaltet, erkannte William Lin aber gleich wieder: „Ich hatte ohnehin schon lange gedacht, dass Berlin ein burmesisches Restaurant fehlt. Also rief ich Min an und fragte, was er davon hält.“ Er hielt viel davon. Burma Bliss war geboren.

„Trotz des weltweiten Booms der asiatischen Küche gab es noch kaum burmesische Restaurants“, sagt Min Thu Swe. „Aufgrund der instabilen Lage in Myanmar gibt es nur wenige Touristen“, fügt William Lin hinzu, „daher ist die Küche kaum bekannt. Aber wann immer irgendwo ein burmesisches Restaurant eröffnet, wird es schnell beliebt.“ So war es in San Fransico, London, Sydney. Und so ist es nun auch in Berlin.

Die burmesische Küche prägt der jahrhundertelange Austausch mit indischen, chinesischen und thailändischen Traditionen. Im Vergleich zur thailändischen Küche ist burmesisches Essen vieleicht weniger scharf, aber nicht weniger ausdrucksstark. Die Gerichte basieren auf dem Zusammenspiel von salzigen, sauren, sanft süßen, scharfen und bitteren Elementen, die Tiefe zu schaffen, anstatt sich gegenseitig zu dominieren. Reis ist das Rückgrat, zudem werden in der burmesischen Küche großzügige Mengen an Öl verwendet, nicht nur zum Braten, sondern auch in Suppen und Currys.

Ein neues Kapitel hat begonnen

Bok Choi, ein Verwandter des Chinakohls, mit lange geschmortem Lamm
Bok Choi, ein Verwandter des Chinakohls, mit lange geschmortem Lamm. Foto: Burma Bliss

Ein weiterer charakteristischer Pfeiler der burmesischen Küche ist die Fermentierung. Das bekannteste Beispiel sind fermentierte Teeblätter, eben Lahpet. Sie bilden auch die Grundlage für eines der Nationalgerichte Myanmars, einen Salat namens Lahpet Thoke. Neben Tofu, der in der gesamten Region weit verbreitet ist, verwendet die burmesische Küche auch Tohut, eine Paste aus fermentierten Kichererbsen.

Die Textur spielt eine ebenso wichtige Rolle wie der Geschmack: die meisten Gerichte zeichnen sie sich durch Kontraste und Abwechslung bei jedem Bissen aus. Suppen, Currys und Salate werden typischerweise mit etwas Knusprigem abgerundet, wie zum Beispiel gepufften oder gerösteten Samen, was den reichhaltigeren Komponenten Leichtigkeit und Kontrast verleiht.

Kompromisse an den europäischen Gaumen machen William Lin und Min Thu Swe bewussst nicht: „Der einzige Kompromiss, den wir eingegangen sind, war, zum Mittagessen etwas leichtere Gerichte zu servieren, als man in Burma normalerweise zur Mittagszeit essen würde.“

Es ist dieser Anspruch, der das Burma Bliss zu einer der interessantesten Neueröffnungen dieser Tage macht. Ein neues Kapitel in der Geschichte der asiatischen Küche Berlins hat gerade begonnen.

Burma Bliss Grolmanstr. 15, Charlottenburg, Di–Sa 12–15 Uhr & Di–So 17.30–22 Uhr, www.burma-bliss.com


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