Kommentar: Seit wann soll denn ein Espresso 3,50 Euro kosten?

Seit wann kostet ein Espresso 3,50 Euro? Okay, ich habe gerade eine Weile in Italien verbracht, aber dass sich die Kaffeepreise in Berlin innerhalb eines Monats verdoppelt haben sollen, erscheint mir dann doch unwahrscheinlich. Ich vermute, es ist genau der Kontrast zur italienischen Caffè-Kultur, der dafür gesorgt hat, dass mir die Berliner Preise überhaupt wieder auffielen. An den Cappuccino für locker 4 Euro habe ich mich mittlerweile „gewöhnt“, die Espressosache aber ist neu. Es scheint mir, als hätte man diesem winzigen Schluck Kaffee einfach lange kaum Beachtung geschenkt. Zu wenig, zu bitter, zu schnell ausgetrunken.
Das „pure“ Erlebnis
Mit steigender Kaffeequalität stieg in Berlin auch das Qualitätsbewusstsein und die Beschäftigung mit gutem Kaffee. Folge: mehr Kaffee-Begeisterte, die das „pure Erlebnis“ möchten. Und so begann sich die Preisspirale zu drehen. Wir schreiben das Jahr 3 Euro 50. Für einen schnellen Espresso braucht es inzwischen eine lange Entscheidung.
Dass 3,50 Euro dabei nicht unbedingt das Ergebnis fundierter Kalkulationen ist, beweisen Cafés, die hervorragenden Espresso anbieten, ohne dabei die 3-Euro-Grenze zu sprengen. Das Common an der Karl-Marx-Straße, zum Beispiel, die Flying Roasters aus dem Wedding oder auch das Café Tiergarten in Moabit. Letzteres ist mir das einzig bekannte Café der Stadt, das die Caffè-Kultur (in Italien bestellt man keinen Espresso, sondern einen Caffè) überhaupt verstanden hat. Wer den Espresso „al banco“, sprich am Tresen trinkt, zahlt nur einen Euro. Ich vermute, als Belohnung dafür, das Konzept verstanden zu haben.