Senfeier und Filterkaffee: Das neue Café Zart ist eine ehrliche Haut

Text: Stefanie Dörre und Clemens Niedenthal
Es gibt sie noch, die Orte, an denen sich Berlin so anfühlt wie jene Stadt, für die so viele einmal nach Berlin gekommen sind. Rumpelig, liebevoll improvisiert, mit viel Platz für große Ideen oder vertrödelte Tage. Das im Mai neu gestartete Café Zart am Landwehrkanal ist ein solcher Ort, kein Corporate Design, keine Instagram-Hipness, dafür ein Frischkäse-Rösti für sechs Euro, Senfeier, Filterkafffee und vielleicht noch ein frühes Bier. Die Küche erinnert an eine vegetarische Variante des Wilmersdorfer Tresen-Treff. Julian Birkel heißt der junge, seinen Gästen zugewandte Wirt und Koch, der sich glücklicherweise nicht entschieden hat, ob sein Lokal nun Café, Wirtshaus oder eine Kneipe ist.
Im Café Zart kann man das Markttreiben beobachten
Diese Entscheidung übernehmen die Gäste und die Situationen. Schön auch, dass die Öffnungszeiten den Markttagen am Maybachufer folgen, so kann man bei einem triefend-leckeren Grilled-Cheese-Sandwich das Markttreiben beobachten. Und kommt, bleibt man nur lang genug sitzen (wozu die fairen Preise einladen), auch noch zu dieser Erkenntnis: Auf der eigentlichen Schattenseite des Landwehrkanals scheint vor dem Café Zart den ganzen Tag die Sonne.