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Griechisch, großartig: Authentisches Essen in Kreuzberg

Die Deutschen und die griechische Küche, 60 Jahre lang war das ein Missverständnis, aber dazu gab es immerhin einen Ouzo aufs Haus. Jetzt gibt es in Kreuzberg die File Asto Taverna. Endlich schmeckt auch Berlin wie das gegenwärtige Athen
Text: Marianne Rennella
Veröffentlicht am: 26.03.2026
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„Timing spielt eine wichtige Rolle“: Solomon Papadopolos (r.) und Alexis Vezakiadis vor ihrer Weinbar File Asto im Kollwitzkiez © Marianne Rennella

Wie konnte es nur so weit kommen? Es werden gigantische Grillteller, bergeweise Gyros mit Pommes und Zaziki und üppigste Schweinefilets in Sahnesoße serviert, in Restaurants, die Akropolis, Zeus oder Mykonos heißen. Dabei sollte das Einzige, was an griechischem Essen gigantisch ist, Gigantes sein, sprich die großen weißen Bohnen, die klassischerweise in Tomatensoße gereicht werden.

Warum etablierte sich in Deutschland eine griechische Küche, die nur im Entferntesten etwas mit der griechischen Küche in Griechenland zu tun hat? Die Antwort auf diese Frage ist natürlich naheliegend und selbstverständlich historisch begründet. Im Zuge des deutsch-griechischen Anwerbe­abkommens von 1960 zogen viele Griechen nach Westdeutschland, mit dem wirtschaftlichen Aufschwung vor allem in den Industrierevieren wurden viele Arbeitskräfte benötigt. Bis in die frühen 1970er-Jahre hinein kamen hunderttausende Menschen aus Griechenland, die vor allem in der Stahl- und Automobilindustrie, sowie im Bergbau und im Bau eingesetzt wurden. Auch in der Gastronomie fassten einige Fuß – und merkten schnell, dass die deutschen Geschmäcker sich grundlegend von ihren eigenen unterschieden. Also begannen sie, die Präferenzen der Deutschen zu bedienen und sich den hiesigen Vorstellungen von Essen anzupassen. Dabei kristallisierten sich insbesondere drei Merkmale als zentral für den wirtschaftlichen Erfolg heraus: mehr Fleisch, mehr Würzung und mehr Soße. Kombiniert mit einschlägigen Griechenlandklischees, die sich beispielsweise in der Wahl des Restaurantnamens, der Farben weiß und blau, oder durch einen übermäßigen Ausschank von Ouzo äußerten, etablierte sich dieses eingedeutschte Griechenlandpaket und verselbstständigte sich. Der Rest ist Geschichte.

Den Hype im Rücken

Oder eben nicht, denn leider ist die Situation heute noch sehr ähnlich. Das wollten Salomon Papadopolous und Alex Vezakiadis dringend ändern. Im Juni 2025 eröffneten sie deswegen ihr griechisches Bistro File Asto an der Kollwitzstraße und trafen damit von Anfang an einen Nerv. „Ich glaube, das Timing spielt eine wichtige Rolle,“ so Papadopolous. „Die junge Generation reist mehr, gleichzeitig ist Griechenland seit ein paar Jahren total angesagt als Urlaubsland. Vor Ort lernen die Leute die echte griechische Küche kennen und sehen, wie anders diese ist.“ Üppige Fleischteller existierten in Griechenland gar nicht, ergänzt Alexis Vezakiadis, der Küchenchef. „Wenn du in Griechenland Gyros auf der Speisekarte eines Restaurants siehst, empfehle ich unbedingt, wieder zu gehen,“ sagt der 26-Jährige.

Vezakiadis betreibt seit fast vier Jahren ein eigenes Lokal auf der Insel Samothraki im Osten Griechenlands, das nur im Sommer geöffnet hat. Sein Anreiz, zusammen mit Papadopolous griechische Gastronomie nach Berlin zu bringen, war kein Heimweh, sondern etwas anderes: „Wichtig war mir, die Kultur meiner Heimat zu promoten, für Griechen aber vor allem auch für Deutsche.“ Papadopolous ergänzt: „Unsere Motivation lag darin, die Lücke der Repräsentanz Griechenlands zu füllen, sowohl die Küche als auch den Lifestyle zu transportieren. Und viel findet eben über den Gaumen statt.“

Ganz im Sinne der echten griechischen Küche, berufen sich die beiden auf ihren puristischen Ansatz. „Der Fokus liegt immer auf dem Produkt,“ erklärt Vezakiadis. Gute Grundzutaten werden kombiniert mit Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Salz, ein paar Kräutern und Zwiebeln vielleicht noch.

Nach File Asto kam noch die Taverna hinzu

Im File Asto starteten sie mit einem angepassten Tavernenkonzept: kalte Gerichte im Meze-Stil, ein paar warme Eintöpfe und Hausmannskost. Kürzlich kam ihr zweites Lokal dazu, die Taverna auf der Reichenberger Straße in Kreuzberg. „Wir wollten mehr Möglichkeiten in der Küche haben. Die Taverna ist unsere Komplettlösung und erlaubt uns auch, das File Asto mit mehr warmen Speisen zu versorgen,“ so Papadopolous. Bereits zum Soft Opening Anfang März sind alle Tische belegt, gesprochen wird vor allem Griechisch. Der Pass ist so breit, dass er gleichzeitig Platz für ein paar Gäste bietet. Von dort aus sieht man, wie Vezakiadis die Küche ganz allein stemmt an diesem Abend. Blitzschnell garniert er den Hummus mit Olivenöl, träufelt Zitrone und Chili über den gekochten Spitzkohl, bröckelt den Fetakäse über den mit Tomatenpolpa belegten Zwieback, genannt Dakos, und richtet den Zaziki auf den flachen Tellerchen an.

Fleisch ja, Fleischberge nein

Denn die Zeit braucht er für die Hauptspeisen: Fleisch oder Fisch, beides vom Grill und serviert auf Backpapier, welches zu einer Art Säckchen geformt schließlich zum Gast gelangt. Darauf befinden sich Souvlaki, Bifteki, zartes Hühnchen, eine gegrillte Kartoffel. Keine Soßen, nur Grillaroma, rote Zwiebel und Zitrone. Fleisch ja, Fleischberge nein.

Vielleicht ist es noch etwas früh zu behaupten, dass die beiden den Grundstein setzen für die Einkehr der echten griechischen Esskultur in Berlin. Vielleicht ist es auch etwas unfair nicht zu erwähnen, dass Lokale wie das Rises Delicacies, das Myxa, das Kirkē Deli mit seinen wunderbaren Sandwiches und die auf eine gute Arte rustikale Tavera Ousia dies bereits seit Jahren tun und sehr viele Deutsche längst wissen, wie grün, gemüsegeprägt, gesund und grandios die griechische Küche eigentlich ist. Und wie großartig und klischeefrei das Ganze drumherum ist! Vielleicht ist es aber okay und zudem ganz wunderbar zu konstatieren, dass die File Asto Taverna das aktuell vielversprechendste griechische Lokal Berlins ist.

File Asto Taverna Reichenberger Str. 125, Kreuzberg, Do+Fr 17–23 Uhr, Sa+So 14–23 Uhr, Instagram
File Asto Kollwitzstr. 26, Prenzlauer Berg, Di–Fr 17–22, Sa 13–22 Uhr, Instagram

Weitere, uns sympathische griechische Restaurants

Rises Delicacies Veteranenstr. 25, Mitte, Di–Fr 17–22, Sa 12–22 Uhr, Instagram ●●●●○
Myxa Lenaustr. 22, Neukölln, ­ Mo–Do 11–24, Fr 11–1, Sa 10–1, So 10–23 Uhr, www.myxaberlin.de ●●●●○
Kirkē Deli Böckhstr. 50, Kreuzberg, Di–So 12–22 Uhr, Instagram ●●●●●
Taverna Ousia Grunewaldstr. 54, Schöneberg, Mo–So ab17 Uhr, www.taverna–ousia.de ●●●●○


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