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Essen gehen

Goldrandteller für alle

Mit schönem Geschirr und vegetarischer Küche verzaubern die drei neuen Betreiber der Lucy Kantine im Jungen Tanzhaus ihre kleinen und großen Gäste. Wir haben mit ihnen Mittag gegessen
Text: Marianne Rennella
Veröffentlicht am: 01.07.2026
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„Haallooo!“, ruft das Kind aus dem ersten Stock runter. „Haallooo!“, antwortet Lucas Humann, einer der drei Betreiber der Lucy Kantine. Wir sitzen im Garten des Jungen Tanzhaus hinter dem Hermannplatz und essen gemeinsam Mittag. Zwischendurch öffnet sich immer wieder das Fenster, weitere Kinder grüßen überschwänglich. Im ersten Stock wird geprobt, eine Grundschulklasse macht die Generalprobe für den heutigen Auftritt. Daher die Aufregung.

Im großen Garten ist es derweil ruhig; die einen arbeiten am Laptop, andere essen noch. Wir lassen uns Zeit, das heutige Tagesgericht schmeckt sowohl warm als auch kalt wunderbar: Kichererbsen in Tomatensoße, dazu knusprige Panisse, südfranzösische Pommes aus Kichererbsenmehl, obendrauf gebackene Harissa-Aubergine, Joghurt und etwas Salat: „Wir achten sehr darauf, etwas anzubieten, das satt macht, aber einen nicht komplett umhaut.“ Höchstens geschmacklich natürlich, was mit diesem Mittagsgericht für sehr faire 8,50 Euro gewährleistet ist.

Lucy Kantine: Abwechslungsreich und vegetarisch

Lucy Kantine
Lucy Kantine. Foto: Marianne Rennella

Im Mai haben Lucas Humann, Hans-Ole Freudenberg und Florin Oală die Lucy Kantine im Jungen Tanzhaus übernommen, das Ende 2025 unter neuer Führung wiedereröffnet worden war. „Der soziokulturelle Ansatz war der größte Reiz“, erzählt Humann, „nach Jahren in der gehobenen Gastronomie wollten wir etwas machen, das Sinn stiftet.“ Und wer sich nicht sofort zum Tanzen her traut, tut es vielleicht nach dem zweiten Stück Kuchen im Garten. „Wir wollten einen Ort schaffen, der für den Ort ist – für Leute aus der Nachbarschaft.“ Als Kiezküche bezeichnen sie sich nicht: „Kiez wird man, Kiez ist man nicht einfach“.

Der Leitung im Jungen Tanzhaus war es besonders wichtig, einen Partner für die Café-Kantine zu finden, der den kooperativen Gedanken teilt und das gemeinnützige Anliegen versteht. „Wir kochen abwechslungsreich, vegetarisch, und verbinden viele Küchen miteinander, die wir etwa auf unseren Reisen kennengelernt haben. Letztendlich war aber der Tag, an dem es Kartoffelsalat gab, der allererfolgreichste bisher,“ sagt Humann lachend.

Als ich in den Besteckkorb greife, werde ich von feinstem Silberbesteck überrascht. Es passt herrlich zum Goldrandteller auf dem das Gericht serviert wird. „Ehrlich gesagt essen wir von Goldrandtellern, weil es die einzigen sind, die wir haben.” Goldrandteller für alle – das ist doch mal eine Headline. 

Lucy Kantine im Jungen Tanzhaus, ­Lucy-Lameck-Str. 32, Neukölln, ­Mo–Fr 11–22 Uhr, Sa 10–22 Uhr, So 11–18 Uhr, mehr Infos hier


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