Bari in Neukölln: Geteilte Linguine, geteilte Meinung

40 Jahre lang war ein griechisches Restaurant an der Friedel-, Ecke Sanderstraße. Seit einigen Wochen nun findet man dort das Bari, eröffnet von Eva Drohner, die sich dafür Lucas Klemm als Partner gewinnen konnte. Klemm kennen wir aus dem Barra und dem Nobelhart & Schmutzig, wo er in der Küche und später im Service tätig war, Drohner möglicherweise aus dem Event- und Hospitality-Geschäft.
Bis zur Eröffnung ihres eigenen Restaurants arbeitete sie vor allem konzeptuell: „Ich wohne allerdings schon seit 13 Jahren in der Friedelstraße. Beinahe schon so lange habe ich zum Vorbesitzer gesagt: Wenn du den Laden mal abgeben möchtest, sag Bescheid.“ Im September 2025 war es tatsächlich soweit und ihre Gastro-Pläne konkretisierten sich: Ein entspanntes Lokal sollte es werden, mit Comfort Food, guten Drinks, einer wechselnden Karte. Und mit jenem trendenden Italo-Charme, den wir bereits aus dem Pinci oder dem Breda gleich um die Ecke kennen – Orte, die nicht unbedingt italienisch sind – und die unbedingt zu den neuen It-Lokalen der Stadt gehören wollen.
Auch dem Bari merkt man also an: Viele Details sind instagrammable und wurden holzschnittartig gefallen. Weshalb im ästhetisch einerseits gelungenen Lokal zu wenig Raum für eine authentische Selbstverständlichkeit bleibt. Zusammen mit Klemm gestaltete Drohner ein italienisches Menü mit amerikanischem Einschlag. Zum Beispiel: Chicken Parm, Fries oder Romanasalat mit einem Ranch-Dressing – welches unbedingt noch etwas Säure gebraucht hätte.
Halbierte Linguine im Bari
Zum Hauptgang gibt es Pasta mit konfierten Tomaten und gehobelter Ricotta salata. Während die Idee, die Linguine zu halbieren, mit Blick auf den nordamerikanischen Touch noch witzig sein könnte, irritiert die Textur der Soße doch ziemlich. Hat man die ersten Nudeln rausgegabelt, tut sich ein Ölsee auf, der durch nichts aufgefangen werden kann. Schade, denn der Geschmack des Tellers ist eigentlich gut.
Wir schieben es auf den Ansturm, den das Bari in den ersten Wochen seit der Eröffnung erfahren hat. Und freuen uns am Espresso Macchiato und der gelungenen hausgemachten Limonade. Ach ja, es sitzt sich auch schön auf dem breiten Gehweg, von dem man das Maybachufer bereits sehen kann. Oder ist es nicht doch die Côte d‘Azur?