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Ohne Kohlenhydrate ins Glück: Das Pêle-Mêle beendet die Ära der Avocadostulle

Im Meer aus Haferpancakes und Açai-Bowls kann es im Berliner Frühstücksangebot als Veganer:in schnell langweilig werden. Mit syrischen Spezialitäten sorgt das Neuköllner Pêle-Mêle endlich für Abwechslung
Text: Luca Heinze
Veröffentlicht am: 30.07.2026
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Ganz ohne Kohlenhydrate: Das syrische Gericht „Demeter“ im Pêle-Mêle. Foto: Clara Lohse 

Bei 30 Grad und prallem Sonnenschein ist die karge Innstraße in Neukölln nicht der naheliegendste Ort für ein Frühstück. Das Pêle-Mêle, im Kiez zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee gelegen, ist neben einem Wrap-Laden, die einzige Gastronomie auf der Ecke. Dennoch übersieht man es schnell. Von außen reiht sich das Lokal in die dunkelgrauen Hauswände des Neubaublocks ein. Wie gemütlich es von innen ist, überrascht daher fast.

Dreier- bis Vierersets Stühle der Gründerzeit, jedes Set unterscheidet sich zum nächsten, stehen an alten Holztischen – auch hier variiert Holzart, Größe und Maserung je nach Tisch. Schräg hinterm Tresen steht eine Holzanrichte, gefüllt mit Wassergläsern, Zuckerstreuern und dem Kassensystem. Kein Möbelstück gehört zum nächsten, was allerdings so richtig erst auf den zweiten Blick auffällt, denn die namensgebende „Bunte Mischung“ funktioniert hier ganz hervorragend.

Diese setzte bei der Gestaltung außerdem auf das, was schon in den meisten Hipster-Wohnungen gut mit Holzoptik funktioniert: Efeututen und Monsteras. Zu viele Pflanzen gibt es eigentlich nicht, zumal in einem rein pflanzlich kochenden lokal.                                        

Besitzer:innenwechsel im Pêle-Mêle: Vom Dolmetschen zu Msabaha

Aus der Küche winkt Küchenchef Bahaa Saad Al Din beim Reinkommen freundlich zu. Er kam 2014 aus Syrien nach Deutschland, lernte schnell deutsch und arbeitete fortan als Dolmetscher. Damit machte er ein Praktikum bei Elke Freiling, der heutigen Leitung des Pêle-Mêle, die damals als freiberufliche interkulturelle Beraterin für asiatische Delegationen tätig war. Sie freundeten sich an. Durch Covid hatten beide kaum noch Aufträge, wodurch sich ein Neuanfang anbahnte. Ihre Liebe zum Gastgeben und Bahaas herausragenden Fähigkeiten in der Küche führten sie in die Gastronomie. Das Pêle-Mêle in Neukölln, ein Pionier der veganen Berliner Küche, suchte Mitte letzten Jahres eine neue Leitung. Ein unentdeckter Wasserschaden und dementsprechende Renovierungsarbeiten verzögerten die Neueröffnung bis in den Januar diesen Jahres. Seitdem begeistern sie mit langersehnter Abwechslung im veganen Kochhandwerk.

Die vegane Küche in Berlin unterliegt leider öfter einer eintönigen Zutatenwahl, gerade in Frühstückscafés. Bauernbrot mit Avocado, Rührtofu als Ei-Alternative und pflanzliche Pancakes dominieren die veganen Optionen. Dass das Pêle-Mêle auch bei ihren Gerichten dazu die „bunte Mischung“ an Alternativen gefunden hat, dürfte die vegane Community der Stadt freuen.

Das Lokal hat sich insbesondere auf die syrische Küche spezialisiert. So gibt es Msabaha, ein herzhaftes Gericht aus Kichererbsen, Tahine, Zitronensaft, Olivenöl und Knoblauch, dazu eingelegtes Gemüse. Oder das Pêle-Mêle Frühstück mit drei deftigen und drei süßen hausgemachten Aufstrichen, darunter Spinat-Crème, ein Zucchini-Aufstrich und Muhammara aus Paprika und Walnüssen sowie Tahine mit Dattelsirup, Marmelade und Halva mit Nüssen. An Sonn- und Feiertagen steht im Pêle-Mêle Brunchbuffet an – All-you-can-eat für faire 18,50€. Das kommt in der Nachbarschaft ganz besonders gut an.

Der Sonntags-Brunch im Pêle-Mêle. Foto: Pêle-Mêle

Ohne Kohlenhydrate ins Glück

Das Thema Sättigung spielt im Pêle-Mêle eine tragende Rolle: Klassisch für Gerichte aus der Levante-Region werden kaum kohlenhydrathaltige Zutaten für die Hauptgerichte genutzt. Dafür viel Gemüse, proteinreiche Lebensmittel und Soßen aus der Region. Da wäre das herrlich leichte Demeter: Saisonales Grillgemüse, bei uns unter anderem mit Spargel, Tomaten und Champignons, angerichtet auf einer hausgemachten Zucchini-Creme. Bei Bedarf kann man sich noch eine Schale Reis dazu bestellen – satt wird man aber definitiv auch ohne. Bahaa bedient sich nicht nur der Küche des Nahen Ostens, sondern erkundet kulinarisch immer wieder Klassiker anderer Länder: Dazu gehören Chili sin Carne oder Pasta Aglio Olio. Besonders empfehlenswert sind aber definitiv die Gerichte aus Bahaas Herkunftsland Syrien.

Es gäbe auch noch Tapas, Kuchen, Snacks, wechselnde Tagesempfehlungen – so satt, wie wir waren, ist es fast schade, nicht noch mehr probiert zu haben. Das wird dann zum nächsten Sonntagsbrunch nachgeholt. Am Pêle-Mêle vorbeilaufen werden wir definitiv nie wieder.

Pêle-Mêle Innstr. 26, Neukölln, Mi–Mo 10–19 Uhr, Fr bis 21 Uhr, Di geschlossen, mehr Infos hier


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