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Senf dazu: Achselzuckend

Eine „No-Fragrance“-Politik herrscht in immer mehr Gastronomien. Gerade wer nach gerösteten Marshmallows riecht, kann anderen den Geschmack verderben
Text: Clemens Niedenthal
Veröffentlicht am: 02.06.2026
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Ich fahre meistens mit dem Rad ins Büro. So habe ich einen unverstellten Blick auf Berlins Plakatwände. Ich bin der Werbung ausgeliefert. Das jüngste Produkt, das mir deshalb nicht mehr aus dem Kopf geht, ist ein Deodorant. Beziehungsweise seine, nun ja, Duftrichtung: „Axe Marshmellow Smoke“.

Schon denke ich an Sommerabende an einem Brandenburger See. Eine Feuerschale und gute Freund:innen, die in den Flammen Stockbrot und Marshmellows rösten. Aber nein, ich denke: Wer möchte denn bitte unter den Achseln nach einer verkokelten Zucker-Gelantine-Masse riechen?

Im Berliner Restaurant Nobelhart & Schmutzig übrigens steht auf der ersten Seite des Menüs, dass man möglichst duftfrei zum Dinner erscheinen möge. Kein Eau de Toilette, kein Eau de Parfum, weder unter den Achseln, noch an Hals oder Handgelenk. Unsere Nasen sind nämlich hochsensibel. Sie können bis zu einer Billion verschiedener Geruchseindrücke unterscheiden. Zudem erinnert sich unser Gehirn viel länger und intuitiver an Gerüche als etwa an visuelle oder akustische Sinneswahrnehmungen. Und überhaupt fängt das Schmecken ja immer mit dem Riechen an. Auch The Duc Ngo, der König der Kantstraße, bat in einem „No ­Fragrance!“ betitelten Insta-Post um eine olfaktorische Zurückhaltung seiner Gäste. Ich kann ihn gut verstehen.

Spätnachts beim Burger am Schlesischen Tor hingegen würde ich das doch gerne einmal ausprobieren. Wie wäre es, hätte die ganze Szene doch den kandierten Lagerfeuerduft „Marshmellow Smoke“?


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