Kommentar: Gemüse-grüne Grenze

Mir ist eine interessante Europakarte untergekommen. Sie war im Norden Gelb und im Süden und im Südwesten Grün. Wobei sich diese Farben zwischen Breisgau und Elsass und entlang der Alpensüdseite änderten. Die Botschaft: In Deutschland und den Benelux-Staaten, in Tschechien, Polen, Skandinavien und auf den britischen Inseln präferieren die Menschen sogenannte fremdländische Küchen. Sie essen italienisch, chinesisch, vietnamesisch. In Frankreich und im europäischen Süden dominiert eine regionale Kulinarik.
Welch ein Glück: Berlin mag sich zu dieser Karte nicht so recht verhalten. Zum einen, weil man in dieser Stadt längst so spektakulär lokal essen kann. Im Clärchens, im Trio, im Nobelhart & Schmutzig, in der Letzen Instanz. Vor allem aber verweigert sich Berlin schon dieser Frage an sich: Wie fremd können Küchen in einer Stadt sein, deren über Jahrhunderte ohnehin nur schleppende kulinarische Entwicklung immer von Einflüssen von außen getragen war? Von den Hugenotten etwa, die die Kunst der Sauce mitgebracht hatten. Von Konditoren aus den Schweizer Bergen. Und da sind wir gerade einmal im 18. Jahrhundert.
Wenn aber die erweiterte Familie zu Besuch kommt, aktuell kündigt sich entfernte Verwandtschaft aus Indien an, ist da dennoch der Wunsch: Lasst uns richtig berlinerisch essen gehen! Diesmal plädiere ich für das Pataka in Kreuzberg, den berlinerischsten Inder zwischen der Spree und dem Ganges. Ein wunderbares Restaurant.