Lo-Fi-Singersongwriter

Fortuna Ehrenfeld spielen im Monarch

Spätdurchstarter: Reisegruppe Seltsam auf dem Weg durch die Clubs

Foto: Michael Haegele

„Fortuna Ehrenfeld“ klingt seltsam. Irgendwie nach Kreisklassenbolzerei, Gras fressen, Grätschengraus. Ist aber der Name des Projekts, mit dem Martin Bechler – Köln-Ehrenfelder Komponist, Texter, Tontechniker etwa für Rainald Grebe – jetzt sein sehr eigenes Ding durchzieht. Mit Songs, die sonst nirgends passten. Und Lo-Fi als Haltung. Billige Drumcomputer, verrumpeltes Klavier, alte Gitarren. Und dann diese Texte. „Kannste dich erinnern / wie wir zusammen küssten / erst gegen die Vernunft / und dann gegen die Faschisten“. Oder: „Zwei Mangas in Tangas, verkannte Genies / Reisegruppe ,Seltsam‘ auf’m Weg ins Paradies“. Mit diesen Songs also hält Bechler mit Ende 40 auf einmal die Fresse ganz vorn ins Bühnenlicht. Flankiert von der auch multitalentierten Jenny Thiele an den Tasten und Paul Weißert an dem Drums.

Seine Stimme klingt dabei manchmal fast so zerstört wie Pearl Harbour, dann wieder beseelt flüsternd wie ein suffheiserer Tresentröster. Und keiner weiß, warum er auf der Bühne Pyjama und Bärentatzen trägt. Ist halt so. Die erste Platte, „Das Ende der Coolness, Vol. 2“, von der Schweizer Legende René Tinner (Can, Lou Reed) mitproduziert, segelte noch fast überall unter dem Radar durch. Die wird aber jetzt vom Kettcar-Label Grand Hotel van Cleef nochmal rausgehauen. Denn Fortuna kommt ein gutes Jahr nach dem zweiten Album „Hey Sexy“ in Fahrt. Spät, aber richtig. Im Sommer Festivals, jetzt die erste Clubtour. Und neulich hat Bechler, auf der Bühne gern mit Pulle in der Hand, mit einem Winzer einen eigenen Rotwein gemacht. Es läuft einfach.

Monarch Skalitzer Str. 134, Kreuzberg, Mi 5.12., 20.30 Uhr, ausverkauft

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