Kommentar

„Fresse“ von Erik Heier

Nein sowas, sie hat tatsächlich „in die Fresse“ gesagt, die Andrea Nahles. Kaum ist die Fraktionschefin, schon holzt sie gegen die CDU/CSU drauflos wie ein Brauereikutscher, die neue SPD-Trümmerfrau im Bundestag

Erik Heier

Musste sich hinterher aber gleich davon distanzieren. Deutschland will seine Politiker ja gerne mal volksnah haben, außer natürlich, sie benehmen sich auch mal so. Peer Steinbrück – das war einer von denen vor Martin Schulz – warf damals seine letzten vagen Kanzlerchancen zum Fenster raus, als er auf einem Magazin-Cover den Mittelfinger hochreckte. Klaus Wowereits Ruf wird auch bis heute nicht unwesentlich von jenem Champagner im roten Frauenschuh bestimmt, den er seinerzeit nicht einmal getrunken haben wollte, diese Berliner Variante von Bill Clintons „I didn’t inhale“. Und dann regen wir uns über die graue Gewöhnlichkeit in der Politik auf! Andrea Nahles, die sich seit Jahrzehnten in der SPD hochdient, wäre die vorletzte Person in der Politik, von der ich eine „Fresse“-Bemerkung vor laufenden Kameras erwartet hätte. Der letzte Kandidat dafür ist Michael ­Müller. Der Regierende Bürgermeister sitzt seit dem SPD-Wahldebakel und dem Tegel-Entscheid in Berlin ähnlich fest im Sattel wie Seehofer in Bayern. Jetzt ist Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey die erste aus der SPD-Funktionärsriege, die Müller als Landeschef angeht: „Muss einer wirklich alles machen?“ Aber Müller ist keiner, der jetzt laut „Fresse!“ in die Kameras rufen würde, auch wenn ihm so zumute sein müsste. Eher sieht er aus, als hätte er Angst davor, sich die Hand weh zu tun, wenn er auf den Tisch haut. So ist Müller ein leichter Gegner.

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