Kino & Film in Berlin

„Friedlich in die Katastrophe“ im Kino

Gelbe Gefahr: Die Agitpropdoku Friedlich in die Katastrophe wärmt Argumente gegen die Atomkraft auf.

Foto: DieSiebteKunstLange war die Atomkraft eine der letzten Gretchenfragen in unserer Konsensdemokratie, doch seit Fukushima und der energetischen Doppelwende der schwarz-gelben Regierung scheinen auch hier alle Schlachten geschlagen. Der Autor Holger Strohm hatte mit „Friedlich in die Katastrophe“ in den 70ern das Standardwerk der Anti-Atomkraft-Bewegung verfasst. Jetzt präsentiert er zusammen mit Regisseur Marcin El einen Film gleichen Titels, der die alten Fakten wiederholt und neue hinzufügt. Der Argumentationsstil des Films ist allerdings anachronistischer Agitprop, eine wilde Materialmischung aus nicht direkt identifizierten Quellen mit einem flächendeckend eingesprochenen Kommentar (gelesen von Eva Mattes), der in seiner missionarischen Selbstgerechtigkeit nur schwer erträglich ist. Das ist umso ärgerlicher, als der Film in der Sache Recht hat, vom ökologischen Raubbau der Erzgewinnung über die Unabwägbarkeit der Strahlenfolgen in jeder Phase des Prozesses bis zu dramatischen Fehlbildungen bei Neugeborenen im Irak infolge des Einsatzes von Urangeschossen. Ein missratener Film zu einem noch immer wichtigen Thema.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Die Siebte Kunst

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Friedlich in die Katastrophe“ im Kino in Berlin

Friedlich in die Katastrophe Deutschland 2012; Regie: Marcin El; 120 Minuten; Kinostart: 27. September

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