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„Friendly Fire“: Porträt des einstigen Lyrikstars Erich Fried

Vor dreißig Jahren waren seine Texte überall. Nun erinnert das sehr persönliche Essay-Porträt an den legendären Dichter
Text: Martin Schwarz
Veröffentlicht am: 12.05.2026
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Regisseur Klaus Fried begibt sich auf die Spuren seines berühmten Vaters. Foto: Film Kino Text 

Ein Dichter als Superstar? Gibt es das heute noch? In den 70er- und 80er-Jahren war Erich Fried so ein Superstar, in Ost und West. Mit Anfang 50 ist sein Sohn, der Filmemacher und Hochschullehrer Klaus Fried auf die Idee gekommen, seinem Vater, der für ihn oft ein Rätsel war, mit einem Film zu Leibe zu rücken. Entstanden ist ein virtuos montiertes Essay, das mitunter überfordert, aber doch fasziniert.

Das hat zum einem mit den vielen Gesprächspartner:innen zu tun, auf die Klaus Fried trifft, diverse Geschwister und Halbgeschwister, Freunde und Weggenossen des Vaters. Die Äußerungen über Erich Fried sind mal analytisch, mal emotional. Und allmählich fügt sich puzzleartig das Bild eines außergewöhnlichen Menschen zusammen. Geboren 1921 in Wien, floh der unorthodoxe Jude Erich Fried mit 18 Jahren nach London, wo er bis zu seinem Tod 1988 wohnte. Dennoch entschloss er sich, seiner Kunst in deutscher Sprache nachzugehen. Mit seinen Liebesgedichten erreichte er ab Ende der 70er-Jahre ein breites Publikum.

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried, Gedicht „Was es ist“ (1983)

Was an dem sprachgewaltigen Mann besonders fasziniert, ist sein unbedingter Wille zum Dialog, zum Ausgleich, zur Auseinandersetzung auch mit politischen Extremisten. Klaus Fried muss erstaunt feststellen, dass sein Vater eine Brieffreundschaft zu dem Neonazi Michael Kühnen pflegte, dass ehemalige RAF-Mitglieder wie Astrid Proll oder APO-Aktivisten wie Fritz Teufel oder Rudi Dutschke zu seinem Bekanntenkreis zählten. Die Familie blieb dabei des Öfteren auf der Strecke, was Klaus Fried bis heute schmerzt. Sehr offen stellt er sich in den Gesprächen dem Verhältnis zum Vater, lernt ihn besser verstehen. Und immer wieder liest Erich Fried selbst aus dem Off mit Verve eigene Gedichte vor.

Was „Friendly Fire“ von anderen Filmessays abhebt, ist die Montage. Klaus Fried hat gemeinsam mit Julia Albrecht einen staunenswerten Bilderbogen über die Gespräche gelegt, der von vielen historischen Aufnahmen bis zu kurz aufflackernden Gimmicks reicht. So ist etwa an einer emotional aufgerüttelten Stelle etwa fünf Sekunden lang John Henry Bonham zu sehen, der virtuose Drummer von Led Zeppelin. Ein erhellender, herausfordernder Film über einen Mann, in dem sich das 20. Jahrhundert spiegelt.

Friendly Fire D/A 2025; 109 Min.; R.: Klaus Fried und Julia Albrecht; Kinostart: 30.4.


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