Kunst und Museen in Berlin

Kinderzeichnungen zeitgenössischer Künstler im me Collectors Room

Erstaunlich, dass vor den Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz noch niemand die Idee hatte, Kinderzeichnungen berühmter Gegenwartskünstler auszustellen: jetzt im me Collectors Room.

Am Anfang der Ausstellung „Paperworlds“ stand ein Anruf von Valeska Hageneys Mutter. Ob sie bitte bei Gelegenheit mal ihre alten Kinderzeichnungen durchsortieren und mitnehmen könne? Hageney, eine der interessantesten jungen Kuratorinnen in Berlin,  erzählte dies ihrer Kollegin Sylvia Volz so nebenbei im Cafй. Und da gute Einfälle oft auf Umwegen entstehen, kam den beiden plötzlich – Plopp – die Idee, eine Schau mit Kinder- und Jugendzeichnungen inzwischen bekannter zeitgenössischer Künstler zu machen.
Denn jeder Große hat mal klein angefangen. Doch nicht alle Mütter und Väter sind Sammler. Jeder der von ihnen angefragten Künstler hätte gern mitgemacht, erzählen Volz und Hageney, doch nur bei der Hälfte von ihnen hatten ihre kindlichen Frühwerke die vielen Entrümpelungswellen im elterlichen Keller überstanden.

Von 19 Gegenwartskünstlern kann „Paperworlds“ nun Zeichnungen zeigen, darunter Rosemarie Trockel, Thomas Zipp, Katja Strunz, Via Lewandowsky. Von Michael Kunze, dessen großformatige Gemälde vor Kurzem in der Neuen Nationalgalerie als Teil der Schau „BubeDameKönigAss“ hingen, wird unter anderem die Zeichnung „Perry Rhodan Weltraumkampf“ (siehe Bild) zu sehen sein, die entstand, als er 11 Jahre alt war. Natürlich ist man versucht, in diese komplexe, sehr phantasievolle und farbenfrohe Zeichnung schon den heutigen Malstil des 1961 geborenen Kunze hineinzuinterpretieren, der ein Hauptmotiv häufig aus sehr vielen kleinen, bunten und höchst präzise ausgeführten Teilmotiven zusammensetzt.
„Alle Zeichnungen, die wir ausstellen, zeigen einen sehr sicheren Umgang mit dem Stift und eine große Virtuosität. Ob man da schon den Stil des erwachsenen Künstlers erkennen kann, das überlassen wir dem Betrachter“, sagt Sylvia Volz. „Wir wollen aber schon die Perspektive umkehren, also erreichen, dass man mit der Kenntnis der heutigen Arbeiten der Künstler auf deren Kinderbilder blickt.“

Virtuos sind beispielsweise die Rambo-Zeichnung des zwölfjährigen Ralf Ziervogel oder das im gleichen Alter von Katja Strunz gemalte „Urwald“-Bild. Das Schöne: Sie werden dank der großen Namen ihrer Schöpfer nun nicht in irgendeinem Schulflur hängen, sondern in einem bekannten Ausstellungshaus, dem me Collectors Room, gleichzeitig mit den druckgrafischen Werken von Thomas Schütte. Präsentation ist in der Bewertung von Kunst ja extrem wichtig. Und schon die zwingt die Besucher nun, diese Bilder mit ihrem intensiven Museums- und nicht mit ihrem flüchtigen Korridorblick anzusehen. Dafür ist der von Claudia und Thomas Olbricht privat geführte me Collectors Room, der immer wieder durch ungewöhnliche Ausstellungskonzepte auffällt und regelmäßig Projekte mit Kindern und Jugendlichen macht, als Ort genau richtig.

Paperworlds. Kinder- und Jugendzeichnungen zeitgenössischer Künstler
me Collectors Room Berlin, Auguststraße 68, Mitte
Di–So 12–18 Uhr, 21.Januar.–6.April.

Text: Stefanie Dörre

Bild: Courtesy Michael Kunze   

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