Trap

Future in der Columbiahalle

Traditionalisten gilt der Rapper Future als Nemesis des wahren Hip-Hop. So what?

Foto: Ricky Saiz

Seit der seligen Ära des Swingbeat hat wohl keine Hip-Hop-Spielart die Popmusik so stark geprägt wie Trap (Sorry, Gangsta-Rap!). Diese Entwicklung verdanken wir maßgeblich Nayvadius DeMun Wilburn alias Future, der unter Traditionalisten allerdings auch als Nemesis des echten, wahren Hip-Hop gilt. Jay-Zs letztes Album „4:44“, luxus-ausgestattet mit edlen Samples, ist (ohne sich explizit so zu positionieren) die Antithese zum Autotune-gepimpten, synthetisch-pluckernden und auf Dauer arg monotonen Breitwand-Hip-Hop, der mittlerweile seit Jahren aus dem Süden der USA, quasi aus den Stripclubs in die Charts schwappt.

Future, dessen inflationärer Output zur aktuellen Übersättigung beigetragen hat, steht neben Rae Sremmurd („Black Beatles“) und Migos („Bad and Boujee“) exemplarisch für die Wachablösung in den US-Charts, die – wie nicht einmal zu Zeiten der allmächtigen Outkast – von der Hip-Hop-Hochburg Atlanta aus dominiert werden. Der Boom ging lange Zeit an der Musikindustrie vorbei. Erst seit Streamingzahlen berücksichtigt werden, bilden die Charts die neuen Machtverhältnisse im Pop ab. Mit der Konsequenz, dass Future im Frühjahr der Coup gelang, mit seinen beiden Alben „Future“ und „HNDRXX“ zwei Wochen hintereinander auf Platz eins in die Charts zu schießen. „Future Hendrix“ also – das ist das Bild, das Future gerne von sich in die Welt setzt. Bescheidenheit war im statusverliebten Hip-Hop ja noch nie eine Tugend. Ob Future allerdings auch langfristig ähnlich weitreichenden Einfluss wie die Gitarrenlegende ausüben wird, ist zu bezweifeln.

Columbiahalle Columbiadamm 13–21, Kreuzberg, Fr 13.10., 20 Uhr, VVK 49 €, Support: Rich the Kid, Zoey Dollaz

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