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Gärtnern auf dem Balkon – die besten Tipps

Kein Garten, aber trotzdem Lust auf eigenes Gemüse? Kein Problem, denn selbst der kleinste Balkon bietet genug Platz für Selbstversorger. Eine Pflanzanleitung

DF_CookiesCream2_45Bei Kartoffeln scheiden sich die gründaumigen Geister. Zuwenig dekorativ-sichtbarer Pflanzerfolg, findet Lutz Grille, Gärtner und Geschäftsführer von Rothe Gartenbau in Zehlendorf. Nein, das passt schon, sagt Richard L. Schiemenz, Maschinenbauingenieur, Hobbygärtner und Betreiber der Internetplattform www.biobalkon.de, denn es gibt Balkonsortenzüchtungen, die in viel Licht gedeihen.

Unabhängig von der Kartoffel-Frage steht eines fest: Der Balkon muss keine reine Blumenwiese sein. Auch als „Küchenbalkon“ kann es ihn geben. Ein Beet in luftiger Höhe mit Kräutern und Gemüse jenseits von Basilikum und Tomaten sorgt für urbane Gärtnerfreuden. Und wer im Frühjahr noch nicht angefangen hat, kann einfach später loslegen. Zum Beispiel mit Zuckerschoten, denn die, so Schiemenz, könne man auch später in der Saison aussäen. Damit es funktioniert, rät er zu einem „Mini-Gewächshaus“ in Form eines umgedrehten Joghurtbechers, der die jungen Saatkörner anfangs schützt. „Zuckerschoten lassen sich im Blumenkasten anbauen. Sie sind ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man auf einer kleinen Fläche Gemüse anbauen kann“, sagt Schiemenz. „Im Balkonkasten kann man auch lila Möhren ernten oder andere alte Rübensorten ausprobieren. Durch ihre gedrungene Form ist zum Beispiel die alte Sorte ‚Ochsenherzen‘ sehr gut geeignet“, ergänzt der Internet-Gärtner.

Was spätberufene Balkon-Gärtner außerdem wissen sollten: Auch für Pflücksalate gibt es keinen frühen Saisonstart. Sie sind zudem ein schneller Erfolgsbringer, viel schiefgehen kann nicht und sie sind bereits nach vier bis sechs Wochen erntetauglich. Oder Kräuter: Schiemenz steht auf selbst fabrizierte Antipasti. Ein dafür unerlässliches Kraut, den Thymian, züchtet er selbst. Nicht nur in der Standardversion, sondern auch den fruchtig-aromatischen Melonenthymian, der gut zu asiatischen Gerichten passt. Das gilt auch für Zitronengras, ergänzt Lutz Grille, ein weiteres zeitgenössisches Balkonkraut. „Außerdem gibt es verschiedene Salbei- und Pfefferminzsorten für den Balkon, und Kräuter wie Thymian sind zudem auch noch sehr dekorativ“, sagt der Zehlendorfer Experte.

Aber auch beim Gemüse kann man fast zum Selbstversorger werden. Sogar Zucchini, so Grille, lassen sich auf dem Balkon anbauen. Ebenso Bohnen, die man jedoch mit einer stabilen Rankhilfe bestücken sollte. Mangold mit seinen grünen Blättern und „quietschgelben“ Stielen ordnet er in die Kategorie „hübsch & schmackhaft“ ein und empfiehlt die Rübenpflanze, da einfach zu züchten, als Einsteiger-Gemüse. „Radieschen in langen Kästen anbauen, das macht auch mit Kindern Spaß“, schlägt Schiemenz vor. Zwar wachsen sie in der Erde, doch das buschige überirdische Grün ist durchaus ansehnlich und die scharfen, kleinen Knollen bieten ein schönes Geschmackserlebnis. Und schließlich Tomaten: Es gibt sie in den verschiedensten Formen, Farben und als Balkonzüchtungen mit kleinen Früchten.

IMG_1835Balkongärtnern funktioniert sogar in Bio-Qualität. Wenn man nicht, wie der studierte Diplom-Ingenieur Schiemenz betont, an einer Hauptverkehrsstraße wohnt. „Schwermetalle können sich in Gemüse einlagern“, warnt er und rät bei einer solchen Lage auch von Pflanzen mit essbaren Blättern ab. Überhaupt die Lage. „Nordseiten-Balkone kann man fürs Gemüsegärtnern fast vergessen, Ost-Ausrichtungen und untere Etagen sind eine Herausforderung“, sagt Schiemenz. Vierter Stock und sonnenverwöhnte Südwestseite also auch beim Gärtnern das Nonplusultra. „Generell sollte man mit möglichst großen Kästen arbeiten, am besten mit Wasseranstauversorgung, damit man nicht so viel gießen muss“, rät Lutz Grille. Wer ökologisch anbauen will, sollte Biodünger benützen, gewonnen aus den Exkrementen von Würmern: gänzlich chemiefrei und äußerst nährstoffreich.

Übrigens lassen sich Kräuter und Gemüse auf dem Balkon gut mit Blumen kombinieren, Pflanzenunverträglichkeiten gibt es kaum. Tagetes, auch Studentenblume genannt, bildet zudem einen Schutz gegen Mücken. Allerdings muss auf etwas anderes geachtet werden, nämlich auf die Bedürfnisse der Pflanzen. Petersilie und Rosmarin in einen Topf zu setzen, empfiehlt sich nicht. Erstere braucht Halbschatten und relativ viel Feuchtigkeit, Letzterer einen mediterranen, also trockenen, warmen Boden. Der großer Vorteil der Balkongärtnerei: Man ist viel flexibler als im Garten. Denn die Balkonbepflanzung kann man von Jahr zu Jahr verändern und neu gestalten. „Deshalb sollte man experimentierfreudig sein“, findet Schiemenz. Er rät, diesen Sommer mindestens einen Kasten als Testfeld zu benutzen und darin anzubauen, worauf man Lust hat – praktische Erkenntnisgewinnung fürs nächste Frühjahr.

Text: Manuela Blisse

Foto: Daniela Friebel (oben)

Gartenmärkte und Internet-Shops für botanischen Nachschub:

Königliche Gartenakademie – Die Pflanzenpracht ist farblich geordnet. Bei den öffentlichen Führungen werden aktuelle Pflanzentrends präsentiert.
Altensteinstr. 15 a, Zehlendorf, Tel. 83 22 09 00, www.koenigliche-Gartenakademie.de, Bus 101, Mo-Sa 10-19 Uhr, So 10-16 Uhr

Gartencenter Brenke – Der Familienbetrieb bietet auf mehr als 1000 Quadratmetern Pflanzen und Zubehör an.
Hauptstr. 32, Pankow, Tel. 474 20 10, www.gartencenter-brenke.de, Tram 50, Mo-Fr 8-18.30 Uhr, Sa 8-15 Uhr, So 9-12 Uhr

Gartencenter Deutscher – Die Gärtnerei im XL-Format, rund 8000 Quadratmeter, ist eine alteingesessene Adresse für Garten- und Balkonbedarf.
Mohriner Allee 69-71, Neukölln, Tel. 703 60 99, Bus 181, Mo-Fr 9-19 Uhr, Sa 9-16 Uhr, So 9-13 Uhr

Pluta Gartencenter – Ebenfalls ein grüner Berliner Platzhirsch. Flächenmäßig etwas kleiner, aber die Pflanzen überzeugen durch Qualität.
Königin-Luise-Str. 51, Zehlendorf, Tel. 832 48 39, www.pluta.de, U-Bhf. Dahlem-Dorf, Mo-Fr 9-18.30 Uhr, Sa 9-15 Uhr, So 10-13 Uhr

Preiss Gartencenter – Seit Jahrzehnten gibt es das Gartencenter schon. Etwas hochpreisiger, aber das Ergebnis rechtfertigt dies.
Gollanczstr. 144, Reinickendorf, Tel. 401 10 28, www.preiss-gartencenter.de, S-Bhf. Frohnau, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 9-13 Uhr, So 10-12 Uhr

Rothe Gartenbau – Alteingesessene Gärtnerei mit großem Angebot für Garten, Balkon und Terrasse, auch schöne Terrakotta-Blumentopfauswahl.
Clayallee 282, Zehlendorf, Tel. 811 10 11, S-Bhf. Sundgauer Straße, www.rothe-gartenbau.de, Mo–Fr 8–19 Uhr, Sa 8–16 Uhr, So 10–15 Uhr

www.avocadostore.de – Das Shoppingportal bietet viele Produkte für Hobbygärtner – vom Blumenkasten aus Geotextil über ein Vogelhäuschen bis zum Samenmix.

www.beet-box.de – Gemüse-, Salat- und Kräuter-Starterkits für urbanes Gärtnern auf dem Balkon und im Garten.

www.biobalkon.de – Die Internetseite von Richard Schiemenz bietet nützliche Hinweise für die Balkongärtnerei mit Bio-Anspruch.

www.verticalveg.org.uk – Blog des Londoners Mark Ridsdill Smith über Gemüse- und Kräuteranbau im Hof, auf dem Balkon und auf der Fensterbank mit vielen praktischen Tipps (auf Englisch).

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