Kultur & Freizeit in Berlin

Gespräch mit der Sйparйe-Verlegerinn Ute Gliwa

Mit der Zeitschrift "Séparée" wagen sich die beiden ?Verlegerinnen Ute Gliwa und Janina Gatzky an ein Experiment: ?Wie viel Erotik wollen Frauen?

Gespräch mit der Sйparйe-Verlegerinn Ute Gliwa

tip Seit vergangenem Jahr geben Sie ein Frauenmagazin zum Thema Erotik heraus. Wie entstand die Idee dazu?
Ute Gliwa?Meine Freundin, die Co-Herausgeberin Janina Gatzky, kannte das „Feigenblatt“, ein eigentlich schön angelegtes, aber nicht ganz so großes Heft zum Thema Erotik. Die Verleger haben den Betrieb dann irgendwann aus privaten Gründen eingestellt, was meine Freundin sehr bedauerte. Und da meinte ich zu ihr, dass wir so ein Magazin auch selber machen können.

tip
Das „Feigenblatt“ kam, wie Ihr Magazin, ebenfalls aus Berlin. Außerdem sitzt hier auch der Verlag Giadas, ein Herausgeber von erotischen eBooks. Ist Berlin als Standort für Verlage mit Erotik-Produkten besonders geeignet?
Ute Gliwa Berlin zieht viele kreative Freigeister an, Menschen, die mutig genug sind, neue, außergewöhnliche Dinge zu probieren. Nicht umsonst ist Berlin die Start-up-Metropole schlechthin. „Sйparйe“ wird zwar deutschlandweit gelesen, aber anhand von Feedback und Aboabschlüssen sehen wir, dass das Magazin hier ganz besonders gut ankommt, viele Berlinansässige bieten uns gleich ihre Mitarbeit an, wenn sie „Sйparйe“ entdecken. Theoretisch könnte man das Magazin allerdings von jedem Ort der Welt herausgeben, vorausgesetzt, man hat dort Internet.

tip Der „Playboy“ wurde angeblich immer wegen der supertollen Reportagen gekauft. Weswegen kaufen Ihre Leserinnen „Sйparйe“?
Ute Gliwa Nach dem bisherigen Feedback schätzen die meisten Leser an „Sйparйe“ die unverkrampfte Herangehensweise an das Thema Erotik. Außerdem mögen sie die Ästhetik, die es so noch nicht gab. Es gefällt, dass man auch mal einen nackten Mann sieht. Und dass wir nicht nur diese ganz dünnen Modelfrauen, sondern ein breiteres Spektrum abbilden. Aber wir haben natürlich auch immer interessante Texte. Etwa zum Thema Eifersucht, Bisexualität oder Callboys. Was von unseren Lesern außerdem noch geschätzt wird, ist, dass wir uns davon distanzieren, den Leuten Tipps zu geben. So wie das Frauenzeitschriften, etwa die „Cosmopolitan“, gerne machen. Die damit prahlen, sie hätten jetzt die zehn ultimativen Tipps für den besten Blowjob aller Zeiten.

tip Gerade im Erotik-Bereich boomen die digitalen Medien, Internet und eBooks. Warum haben Sie sich trotzdem für Print entschieden?
Ute Gliwa Wir mögen das haptische Erlebnis, wir mögen es, eine Zeitschrift in der Hand zu haben, in der man richtig blättern und die man auf dem Tisch liegen lassen kann. Auch wenn die Oma zu Besuch kommt oder wenn man kleine Kinder zu Hause hat. Es ist gewollt, dass wir uns nicht verstecken. „Sйparйe“ ist ein Format, an dem nichts schmutzig ist.

tip Worin besteht der Unterschied zwischen Erotik und Pornografie?
Ute Gliwa Im Printbereich gibt es eine ganz klassische Definition. Wenn bei Männern eine Erektion ab 45 Grad und bei Frauen die inneren Schamlippen dargestellt werden, dann ist es Pornografie. Beim Vokabular sind die Definitionen schwammiger. Pornografisch ist ein Text dann, wenn die sexuellen Beschreibungen keinen Kontext haben. Wenn man aber eine Geschichte drumherum strickt …

tip … dann ist es Literatur?
Ute Gliwa Genau.

interview:
Eva Apraku

Sйparйe. Erotik ist weiblich
Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und ist in Bahnhofsbuchhandlungen und an ausgewählten Kiosken erhältlich. Infos unter: www.separee.com

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