Graphic Novel

Gespräch mit Walter Moers

Bilder von Zamonien: Walter Moers im Gespräch über die Adaption seiner Zamonien-Saga als Graphic Novel

Walter Moers, der Autor legendärer Comics wie „Adolf“, Erfinder des „Kleinen Arschlochs“ und geistiger Vater des „Käpt’n Blaubär“, ist zurück. Zusammen mit dem Grafiker Florian Biege hat er gerade „Die Stadt der Träumenden Bücher“ als Graphic Novel umgesetzt.

tip Herr Moers, wie funktionierte die Zusammenarbeit mit Florian Biege?
Walter Moers Das Szenario habe ich alleine gezeichnet. Das und die textliche Umarbeitung des Romans in die Comicform waren meine Aufgaben bei dem Projekt. Florian hat dann stufenweise das Szenario in den fertigen Comic verwandelt, jede einzelne Seite in fünf Stufen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es jemals große Diskussionen gab. Ich habe meistens nur „ja, großartig!“ gesagt, und er hat die nächste Stufe gemalt. Das war eine extrem angenehme Teamarbeit, besonders wenn man die Länge der Zeit bedenkt. Florian ist ein sehr systematischer, disziplinierter und hochprofessioneller Maler und Zeichner, auf den man sich in allen Bereichen verlassen kann. Anders hätten wir so ein Wahnsinnsprojekt auch nicht durchziehen können. Wir sind da beide an unsere Grenzen gegangen, glaube ich. So etwas macht man nur einmal im Leben. Übrigens wird es im zweiten Band ein ausführliches Making-of geben, wo wir das Ganze anschaulich dokumentieren.

tip Ihre künstlerische Karriere begann in den 1980ern als Comicautor. Nun kehren Sie wieder zu ihrem alten Medium zurück. Warum die Pause, und warum die Rückkehr?
Walter Moers Es war weder „Pause“ noch „Rückkehr“. Ich habe das Interesse am Medium Comic nie verloren, aber damals war ich wirklich an die Grenzen meiner zeichnerischen Ausdrucksmittel gelangt. Die Vorstellung, mein Leben lang nur noch abstrakte Knollen­nasenfiguren zu zeichnen und mit Texten lediglich Sprechblasen zu füllen, hat mich deprimiert. Deswegen habe ich damit aufgehört und mich auf das Romaneschreiben und Illustrieren verlegt.
Die Graphic Novel mit Florian Biege ist insofern keine Rückkehr, sondern ein ganz anderer Umgang mit dem Medium Comic. Ich beschränke mich weitgehend darauf, was ich wirklich kann, nämlich die Ideenfindung und die inhaltliche Arbeit. Auf das Comiczeichnen kann ich ganz gut verzichten, das können andere besser – zum Beispiel Florian.

tip An wen richtet sich die Comic-Adaption: an Zamonien-Einheimische oder Zugereiste?
Walter Moers Ich hoffe: an jeden. Neulinge sollen den Stoff entdecken können, ohne den Roman kennen zu müssen. Und vielleicht bekommen sie so Lust, den Roman auch zu lesen. Einheimische können ihre eigenen visuellen Zamonien-Phantasien mit meinen abgleichen und viele neue Details entdecken. Und endlich mal sehen, wie das Orm wirklich aussieht.

tip Sie haben zwei weitere Romane für die nächste Zeit angekündigt: „Die Insel der 1.000 Leuchttürme“ und „Das Schloss der Träumenden Bücher“. Wann ist damit zu rechnen?
Walter Moers Ich habe in den letzten Jahren nicht auf der faulen Haut gelegen, und ich war auch nicht krank oder tot, wie manche glauben. Ich habe jeden Tag gearbeitet. „Die Insel der 1.000 Leuchttürme“ ist so gut wie fertig, diesmal wieder mit eigenen Illustrationen. Dann kam noch „Prinzessin Insomnia“, sozusagen aus heiterem Himmel, dazu und hat zeitweilig alle anderen Projekte verdrängt. Und dann – ob man es mir glaubt oder nicht – arbeite ich die ganze Zeit fleißig am „Schloss der Träumenden Bücher“, dem Abschluss der Buchhaim-Trilogie. Auch dafür zeichne ich selbst, über hundert Illustrationen sind fertig. „Die Insel der 1.000 Leuchttürme“ wird wieder ein purer Mythenmetz-Roman (Hildegunst von Mythenmetz ist fiktiver Autor verschiedener Moers-Bücher, Anmerk. der Red.), mit ihm selbst als wichtigstem Protagonisten – diesmal in Form eines Brief­romans und erstmals mit Mythenmetz selbst als Illustrator. Es wäre schön, wenn wir die Veröffentlichung im nächsten Jahr schaffen. Beim „Schloss der Träumenden Bücher“ gebe ich lieber keine Prognosen mehr ab, die glaubt mir eh kein Mensch.

Interview: Gerrit Lungershausen

Die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers und Florian Biege, Knaus, 110 S., 25 €

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