Musik & Party in Berlin

Giant Giant Sand im Lido

Mit Howe Gelb und seinen Giant Giant Sand wird es niemals langweilig.

GiantgiantSandNeulich ist Howe Gelb in den Charts aufgetaucht: In der deutschen Hitliste der Newcomer wurde er mit seiner Band Giant Sand erfasst. Dazu muss man wissen, dass als „Newcomer“ gilt, wer es erstmals in die Charts schafft. Das trifft auf den ergrauten Alt-Country-Poeten zu. Ansonsten passt der Neulings-Terminus herzlich wenig zu dem Mann, der seit Dekaden so schöpferisch ist, dass selbst Fans seine Veröffentlichungen nicht mehr mitzählen. Besser, man konzentriert sich auf das jeweils Neueste, was der 55-Jährige zu Hause in Tucson ersinnt. Für das überraschende Erfolgsalbum namens „Tucson – A Country Rock Opera“ hat Gelb seine wandelbare Band üppig aufgestockt: Streicher, Bläser und Mitsänger erweitern die Kernbesetzung um Gitarren, Klavier und Gelbs attraktiv nachlässigen Gesang. Die gewohnt warm und seelenvoll klingende Musik rankt sich um eine Art „Hans im Glück“-Story vor Wüstenkulisse. Dabei setzt der Bandkopf auf sein bewährtes Prinzip, Songs zum möglichst frühen Zeitpunkt festzuhalten und sich wenig um Details zu scheren. Ungenauigkeiten gehören dazu: ein improvisiertes Solo etwa mit möglicherweise unwiederholbaren Klangeffekten oder auch spontane instrumentale Exkurse. Bei der Auswahl seiner Mitmusiker – einst waren es bekanntlich Joey Burns und John Convertino, heute: Calexico – hat Gelb wieder gutes Gespür bewiesen. Die zwölfköpfige Truppe – nun adäquat Giant Giant Sand betitelt – erstarrt nicht in Ehrfurcht vor dem Altmeister, sondern nutzt spielfreudig ihre Freiheit.

Text: Ulrike Rechel

Giant Giant Sand Lido, Mi 22.8., 21 Uhr, VVK: 21 Ђ zzgl. Gebühr

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