Drama

„Girl“ im Kino

Im falschen Körper: Das sensible Porträt eines ungewöhnlichen Teenagers

Foto: Universum / Menuet

16 Jahre jung ist der belgische Schauspieler Victor Polster und hat in einer Nebenreihe in Cannes den Darstellerpreis gewonnen. Hochverdient. Polster spielt Lara. Die ist 15, groß, schlank, sehr feminin. Mit dem jüngeren Bruder und dem Vater Mathias (Arieh Worthalter) ist sie soeben in die große Stadt Brüssel umgezogen, um eine der besten Ballettschulen des Landes zu besuchen – Lara möchte Karriere im klassischen Ballett machen. Was in ­ihrem Umfeld offensichtlich alle wissen: Lara hieß früher einmal Victor und war ein Junge, doch so hat sie sich nie gefühlt. Die Hormonbehandlung soll nun eine Veränderung ihres Körpers erreichen – die von Lara sehnsüchtig erwartete große Operation kann aber erst in zwei Jahren stattfinden.

Der Alltag eines Teenagers: Stress bei den Ballettproben, Besuche bei den Ärzten, die Annäherung an einen Nachbarsjungen. Autor und Regisseur Lukas Dhont erspart uns weitgehend, dass Lara von ihrer Umwelt primitiv angefeindet wird, die belgische Gesellschaft scheint emanzipiert und liberal.
Trotzdem sprudeln in Lara alle Hormone der ­Pubertät. Auch hier lässt sich Dhont (anfangs) nicht zu emotionalen Exzessen hinreißen, er passt sich inszenatorisch der introvertierten Art seiner Protagonistin an. Lara gerät bei den Ballettproben an ihre Grenzen, nicht nur körperlich. Schließlich muss sie sich auf Anraten der Ärzte entscheiden: Ballettkarriere oder große Operation.

Victor Polster legt eine unfassbare Performance hin, jeder Blick seiner Figur sitzt. Ein intensives, am Ende auch recht herbes Drama, das zeigt: Da kann die Umgebung noch so tolerant sein, den heftigsten Kampf trägt jemand wie Lara dann doch in sich selbst aus.

Girl B 2018, 105 Min., R: Lukas Dhont, D: Victor Polster, Arieh Worthalter, Oliver Bodart, Start: 18.10.