Liedermacher

Gisbert zu Knyphausen in der Columbiahalle

Erst Kehlkopfentzündung, jetzt wieder Herz und Seele offen: Der Melancholiker Gisbert zu KnyphausenFoto: Dennis Williamson

Ende Oktober, beim Tourauftakt im Lido, rumpelte es noch arg im Gebälk, da verrissen Gisbert zu Knyphausen und seine komplett neu formierte Band das eine oder andere Stück gewaltig. Sie spielten sich trotzdem die Seele aus dem Leib, zweieinhalb Stunden lang, mit vielen Songs vom neuen, wunderbaren Album „Das Licht dieser Welt“. Aber auch von seinen ersten beiden Platten von 2008 und 2010, irre lange her. Und von der Kid-Kopphausen-Songkollektion, die vor gut fünf Jahren die einzige blieb, weil Nils Koppruch kurz darauf verstarb.

Ein von Koppruch noch angefangenes Lied, „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“, hat Knyphausen mit auf die neue Platte genommen. Wie der Winzersohn aus dem Rheingau, der 2010 aus Hamburg nach Berlin zog, überhaupt einige Wege des Kid-Kopphausen-Albums auf „Das Licht dieser Welt“ weitergeht: Geschichten zu erzählen, die nicht unbedingt mehr nur seine eigenen sind, vom sehnsuchtsvoll das Leben feierndem Titelstück (das zuvor schon in Andreas Dresens „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ zu hören war) bis zum abgrundtief traurigen „Kommen und Gehen“, einem Stück über eine alte Frau und ein totgeborenes Kind, wie man es so selbst vom melancholischsten Melancholiker unter den deutschen Singer-Songwritern noch nicht gehört hat.

Nach wenigen Konzerten musste zu Knyphausen wegen einer hartnäckigen Kehlkopfentzündung die aktuelle Tour unterbrechen. Das nächste Berliner Konzert wurde derweil vom Huxleys in die Columbiahalle verlegt. Jetzt geht es weiter, mit offenem Herzen, mit offener Seele. Es ist diese Zeit, da braucht man genau das.

Columbiahalle Columbiadamm 13 – 21, Tempelhof, Fr 12.1., 20 Uhr, VVK 29 €

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