Satire

„Glory“ im Kino

Gefangen im postsozialistischen Mahlwerk

Foto: Mouna

Stoisch kontrolliert der Streckenwärter Tzanko jeden Tag im bulgarischen Hinterland die Bahngleise – und übersieht die Kollegen, wenn sie aus den Dieselloks den Kraftstoff klauen, um ihr mickriges Gehalt aufzubessern. Für den genügsamen Mann kommt das nicht in Frage. Grundehrlich wie er ist – oder so naiv. Denn eines Tages steht der verlotterte Endvierziger plötzlich vor einem Riesenhaufen Geld. Mitten in der Einöde, mitten auf den Schienen. Er meldet den Fund. Wird wider Willen zum medialen Helden. Und zur Marionette einer PR-Chefin. Die versucht alles, um das Image des angeschlagenen Verkehrs­ministers zu retten. Weshalb ihr Tzanko wie gerufen kommt. Eine Ehrung und eine Uhr wird er bekommen. Eine digitale, die ungenau geht. Während seine alte, das Erbstück, im PR-Chaos verschwindet. Eine kleine Sache nur, doch sie bringt viel ins Rollen.

„Glory“ ist eine herrliche Satire über den einfachen Mann im postsozialistischen Mahlwerk. Auf vielen Festivals gefeiert, wurde er nun als bulgarische Nominierung ins ­Oscar- Rennen um den besten fremdsprachigen Film geschickt, schaffte es aber leider nicht auf die Shortlist. Lustvoll erzählen die Filmemacher Kristina Grozeva und Petar Valchanov von der Bedeutung kleiner Rädchen – wie schnell sie Unruhe stiften und alles aus dem Takt bringen können. Detailreich skizzieren sie eine zynische, nur auf Profit gepolte Gesellschaft und zeigen, was so alles auf der Strecke bleibt, wenn zwielichtige Charaktere um ihr Über­leben strampeln.

Slava (OT) BUL/GR 2016, 101 Min., R: Kristina Grozeva, Petar Valchanov, D: Stefan Denolyubov, Margita Gosheva, Kitodar Todorov, Start: 4.1.

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