Drama

„Glücklich wie Lazzaro“ im Kino

Italien in den 70er-Jahren: Auf einem Landgut in der Mitte des Landes lebt eine Gruppe von Bauern noch wie in einem Zustand der Leib­eigenschaft. Sie ernten Tabak in einer ­staubigen Landschaft, die Kinder werden in feudalem Geist erzogen

Piffl Medien

Lazzaro, ein reiner Tor und grundguter Junge, schließt Freundschaft mit Tancredi, dem Sohn der Herrin. Für die Identitätskrise, die sich bei dem Sprössling aus der besitzenden Klasse zeigt, hat der arglose Lazzaro keinen Sinn. Nach der Befreiung durch die Behörden ziehen die Leute in eine norditalienische Großstadt, sie leben dort in einer prekären Unterkunft und bringen sich mit kleinen Geschäften durch. Nur Lazzaro bleibt über Jahre verschwunden. Als er eines Tages unvermutet wieder auftaucht, ist er nicht älter geworden.

Alice Rohrwacher hat schon mit „Land der Wunder“ gezeigt, dass sie eine der spannendsten europäischen Filmemacherinnen der Gegenwart ist – sie steht für einen sozialen Realismus, der souverän mit Erzähltraditionen und gemeinschaftlichen Bezügen arbeitet. Auch in „Glücklich wie Lazzaro“ erzählt sie mit vielen mythologischen und religiösen Anspielungen von Menschen am Rande der Gesellschaft. Mit dem Namen des „auferstandenen“ Helden bezieht sie sich nicht zuletzt auf die biblische Geschichte von Lazarus, man könnte aber auch an Parzival denken und sogar an Don Quijote, der in diesem Fall nicht gegen Windmühlen kämpft, sondern gegen Banken.

Alice Rohrwacher schafft es dabei, die besten Traditionen des italienischen Kinos – Neorealismus, Pasolini – mit den heutigen politischen Problemen zu verbinden: Lazzaros Leute ­stehen für alle Ausgegrenzten. Ein großer Film über die (Mit-)Menschlichkeit.

Glücklich wie Lazzaro D/F/I/CH 2018, 129 Min., R: Alice Rohrwacher, D: Adriano Tardiolo, Luka Chikovani, Alba Rohrwacher, Agnese Graziani, Start: 13.9.

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