Kunst

Der Gropius Bau öffnet wieder mit einer Ausstellung von Lee Mingwei

Das Team des Gropius Baus passt Lee Mingweis Mitmach-Ausstellung „Li, Geschenke und Rituale“ an die Hygienevorschriften an: Es ist prozesshafte Kunst in einem Haus voller Geschenke.

Wie kostbar vor der Pandemie die Zeit im eigenen Wohnzimmer gewesen sein kann, wird oft erst im Rückblick klar. Erinnerungen an Gespräche, Familientreffen oder die Ansammlung von lieb gewonnenen Objekten: All das machte diesen Ort zu etwas Besonderem, und das überträgt Lee Mingwei aus Taiwan in seine interaktive Installation „The Living Room“.

Lee Mingweis Ausstellung „Li, Geschenke und Rituale“ im Gropius Bau

Sie ist Teil seiner Einzelausstellung „Li, Geschenke und Rituale“ im Gropius Bau, die am 11. Mai unter Schutzvorkehrungen verspätet zugänglich wird. 

Lee Mingwei, der in Paris und New York lebt, thematisiert in Performances, Installationen und Projekten unter anderem die Spannung, die Begegnungen von Fremden auslösen können. Und so arbeitet er mit interessierten Freiwilligen, die in seinen Projekten mitwirken, teils direkt vor Ort.

Lee Mingwei setzt auf Konzeptkunst und zufällige Begegnungen

Lee konzentriert sich in seinen konzeptuellen Arbeiten auf Schenken, Gastfreundschaft und die freiwillige Beteiligung. So versucht er, zufällige Begegnungen von ihrer wirtschaftlichen Verwertung abzukoppeln. Dem 1964 geborenen Künstler geht es um das Soziale und die Frage, inwieweit Kunst, die Menschen zusammenbringt, Transformationen auslösen kann. Der Wert immaterieller Gaben beschäftigt Lee Mingwei nunmehr seit rund 30 Jahren.

Der Gropius Bau passt Lee Mingweis Installation „The Living Room“ an Hygiene-Vorschriften an

Installation im Gropius Bau: Lee Mingwei, "The Living Room", 2000/2020 Möbel, private Sammlungen, Pflanzen Aus der Sammlung des Jut Art Museum (Taiwan). Foto: Laura Fiorio/Installationsansicht Lee Mingwei: 禮 Li, Geschenke und Rituale, Gropius Bau, Berlin, 2020
Installation im Gropius Bau: Lee Mingwei, „The Living Room“, 2000/2020 Möbel, private Sammlungen, Pflanzen Aus der Sammlung des Jut Art Museum (Taiwan). Foto: Laura Fiorio/Installationsansicht Lee Mingwei: 禮 Li, Geschenke und Rituale, Gropius Bau, Berlin, 2020

In seiner Installation „The Living Room“ sollten eigentlich Besuchende auf ausgewählte Gastgeber*innen treffen, auf Freiwillige, die Lee im Herbst 2019 über ­einen Aufruf gefunden hatte. Sie sollten ihre eigene, persönliche Sammlung aus ­ihrer Wohnung mitbringen und vor Ort dem Publikum zeigen – ein perfekter Eisbrecher, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

Jetzt soll diese Arbeit in Rücksprache mit Lee Mingwei an die aktuellen Gesundheitsvorschriften angepasst werden – so, dass für alle Beteiligten keine Gefahr besteht. Auch das ein Kunststück für sich. Hauskuratorin Clare Molloy hat gemeinsam mit Direktorin Stephanie ­Rosenthal die Ausstellung ausgerichtet, die 14 von Lees Projekten zeigt.

„Guernica in Sand“: Lee Mingweis Installation im Lichthof des Museums

Der Gropius Bau zeigt Lee Mingweis "Guernica in Sand", 2006–heute, interaktive Mixed–Media–Installation, Sand, Holzinsel, Beleuchtung, 1300 x 643 cm. Foto: Installationsansicht Lee Mingwei and His Relations, Taipei Fine Arts Museum, 2015/Courtesy/Taipei Fine Arts Museum
Der Gropius Bau zeigt Lee Mingweis „Guernica in Sand“, 2006–heute, interaktive Mixed–Media–Installation, Sand, Holzinsel, Beleuchtung, 1300 x 643 cm. Foto: Installationsansicht Lee Mingwei and His Relations, Taipei Fine Arts Museum, 2015/Courtesy/Taipei Fine Arts Museum

Im Lichthof erwartet Besucher*innen die Installation „Guernica in Sand“ (2007): Hier hat Lee das berühmte Guernica-Gemälde als Hommage an Picasso aus Sand nachgebildet. Sand als Material für Bilder zu nutzen, greift die tibetisch-buddhistische Tradition der Mandala auf.

Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass Lee die letzten Details in den Sand zeichnet, während die Besucher*innen bereits das Gemälde barfuß betreten. Erschaffen und Zerstören zur selben Zeit sollten den Kreislauf der Natur spiegeln. Am Ende sollte das Bild ähnlich wie in der tibetischen Tradition fortgefegt werden. Auch hier muss sich nun zeigen, wie Künstler und Ausstellungsteam die Arbeit an die Hygienevorschriften anpassen können.           

Gropius BauNiederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr. „Li, Geschenke und Rituale“: 11.5.–7.6., 15/ 10 €, bis 16 J. frei. Die Besucher*innenzahl ist limitiert, Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht in den Räumen. Es wird empfohlen, Tickets vorab zu reservieren.

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