Kommentar

„Grundeinkommen“ von Erik Heier

Als die Stadt Bergen-Enkheim 1977 ein Teil von Frankfurt/Main wurde, war es gerade mal vier Jahre her, dass sie den allerersten deutschsprachigen Stadtschreiber-Preis ins Leben gerufen hatte

Erik Heier

Debüt-Preisträger war Wolfgang Koeppen. Trotzdem ehrte die Jury auch ab 1977 nicht etwa einen Stadtteilschreiber, sondern bestand weiterhin auf ihren Stadtschreiber. Außerdem heißen die kreativen Schreibwerkstätten im Ruhrgebiet auch „Stadtteilschreiber“, da mag man sich vielleicht nicht ins Gehege kommen. Gerade wurde nun bekannt, dass der in Berlin lebende Schriftsteller Thomas Melle, der 2016 mit seinem Roman „Die Welt im Rücken“, eine literarische Bearbeitung seiner bipolaren Störung, erfolglos als Favorit für den Deutschen Buchpreis galt, 2017/2018 als Stadtschreiber im pittoresken Haus An der Oberpforte 4 einziehen darf. Für das Amt gibt es 20.000 Euro, ganz ohne Pflichten. Sozusagen ein bedingungsloses Grundeinkommen für Literaten. Trotzdem erschrieben sich acht der bisherigen Preisträger später den Deutschen Buchpreis, ein Argument, das nicht nur für das bedingungslose Grundeinkommen spricht, für das Götz Werner, der dm-Gründer, alle paar Jahre, jetzt wieder, ein Buch verfertigt, sondern auch für Thomas Melle (der übrigens auch den sächsischen Klopstock-Preis für neue Literatur erhält). Denn den Deutschen Buchpreis, den hat er bereits jetzt verdient. Aber sowas von.

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare