Kunst und Museen in Berlin

Gruppenausstellung „Portrait“

Vom Ölgemälde bis zur digitalen Fotografie: Die Ausstellung "Portrait" präsentiert Positionen internationaler Künstler in der G.A.S.-station.

PortraitPortrait oder Porträt? Die Unklarheit beginnt schon bei der Schreibweise. Einst war das Porträt von existenzieller Bedeutung, diente es in Zeiten ohne Fotografen und Filmkameras zur Repräsentation und als Dokument. Wären nicht die Maler und Zeichner vergangener Jahrhunderte, würden wir nur wenig über unsere Vorfahren wissen. Doch wie ist es heute um das künstlerische Porträt bestellt? Dies untersucht die Gruppenausstellung „Portrait“, zu der die Galeristen Elisa Asenbaum und Thomas Stuck 18 internationale Künstler eingeladen haben. Sie zeigen unterschiedliche formale und mediale Ansätze, wie mit dem Thema zeitgenössisch umgegangen werden kann. Die Malerei kann bei dieser Zusam­men­stellung indes nur wenig Anregung liefern. Ingrid Niedermayrs Ölgemälde „Airborn II“, mit der fliegenden Frauenfigur über einem Großstadtmoloch, oder Anna Maria Kursawes kleinformatige Acrylbilder in Rot- und Blautönen sind in einer obsoleten Ästhetik gefangen und erzählen nur wenig über das Wesen der Porträtierten, was ein gelungenes Porträt nun einmal tun sollte. Hier kann die Fotografie punkten. Ob Johannes Booz’ zeitlos anmutende Schwarz-Weiß-Porträts von arbeitslosen Jugendlichen in Köln oder das digital verfremdete Fratzenbild „kein ritter wie meese“ von Michael H. Rhode und vor allem Anouk Kruithofs experimentelle Bildserie „Becoming Blue“, für die die Niederländerin neun Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts in emotionell schwer bestimmbaren Augenblicken festhielt, nähern sich dem seelischen Innenleben mit mehr Erfolg. Einen stillen Höhepunkt der Schau bilden hingegen zwei konzeptuelle Arbeiten des Österreichers Jochen Höller. In seinem „Bücherspektrum“ listet er akribisch die gerade erst gelesenen Bücher seiner Freunde und Bekannten auf und im „Soziogramm“ bildet er sein soziales Netzwerk gar direkt ab, in dem er die Namen aller ihm näher und ferner stehenden Personen konzentrisch um seinen eigenen schweben lässt. Höller zeigt die unsichtbaren Prozesse, die hinter einem Menschen stehen, und liefert den Beweis, dass manchmal tausend Worte doch mehr sagen, als nur ein Bild.

Text: Jacek Slaski

tip-Bewertung: Sehenswert

Portrait (Gruppenausstellung), G.A.S.-station, Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 14-17 Uhr, bis Fr 29.5.2009

 

Weitere Ausstellungen:

Die Ausstellung „Frühblüher“ (bis 3.5.)

Gemeinschafts­ausstellung „Ode“ (bis 31.05)

Maix Mayer Ausstellung „Was tun?“ in Berlin (bis 9.5.)

Die Sprache Deutsch im Deutschen Historischen Museum (bis 3.5.)

Susi Pop in der Galerie Zwinger (bis 9.5.)

Stefan Panhans in der Galerie Olaf Stüber (bis 9.5.)

„Picturing America“ in der Deutschen Guggenheim (bis 10.5.)

„New York in the Forties“ von Andreas Feininger im Bauhaus Archiv (bis 18.5.)


 

 

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