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??Guillermo Srodek-Hart in der Galerie Kuckei + Kuckei

KuckeiKuckei_GSH_Adelfa_c_CourtesyKuckeiKuckeiBerlinVor 30 Jahren gab es ihn in Schöneberg noch: den Eisenwarenladen um die Ecke, in dem sich über die ganze Tiefe des Raums eine Wand aus kleinen Schubladen zog, bis unter die Decke. Vor zehn Jahren ist dort ein Friseur eingezogen. Aber noch findet man in Berlin ab und zu alte Ladentheken oder Kneipen, die sich seit Jahrzehnten nicht geändert zu haben scheinen. Das haben sie mit Geschäften, Bars und Werkstätten in der argentinischen Pampa gemeinsam, nur dass das, was hier beinahe wie eine Reliquie geschätzt wird, dort Zeichen einer absterbenden Ökonomie ist. Der Fotograf Guillermo Srodek-Hart, in Buenos Aires zu Hause, widmet ihnen ein großartiges visuelles Requiem: Fahrradwerkstätten und Fleischereien, Sattler und Schuhmacher, Läden, die von Limonaden bis Autoreifen alles auf kleinstem Raum gestapelt haben.

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Er bringt die eigene Ästhetik dieser Dingwelt zum Vorschein, von den farbig gekachelten Fußböden, dem abgegriffenen Holz der Ladentheken und den Waren, die nicht selten nach ihren Farben sortiert zu sein scheinen. Auch wenn kaum ein Kunde zu sehen ist, spürt man doch jahrzehntelange Gebrauchsspuren, stellt sich Generationen von Familien vor, die hier weit entfernt von urbanen Zentren ausgehalten, Hitze, Staub und Trockenheit getrotzt haben. Die mit so viel Leben aufgeladene Atmosphäre der Bilder von Guillermo Srodek-Hart verdankt sich sicher zuletzt seiner eigenen handwerklichen Perfektion. Mit einer Platten-kamera und langen Belichtungszeiten hat er in den Läden gestanden, abgetaucht unter ein schwarzes Tuch, wie die Fotografen vor 100 Jahren: eine Taucherglocke in die Vergangenheit.   

Text: Katrin Bettina Müller

Foto: Kuckei + Kuckei, Berlin

Guillermo Srodek-Hart: „Stories“ Kuckei + Kuckei, Linienstraße 158, Mitte, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–17 Uhr, ?bis 21.12.

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