Kino & Film in Berlin

„Hangover 2“ im Kino

Mit der Lust am völligen Kontrollverlust wurde "Hangover" vor zwei Jahren zum Überraschungsübererfolg. Kein Wunder also, dass es nun eine Fortsetzung gibt.

Vier ultraverkaterte Freunde wollten damals im ersten Teil herausfinden, was in der Black-Out-Nacht eines Junggesellenabschieds passiert war, der mit einem Tiger in einer zertrümmerten Hotelsuite in Las Vegas endete. In der unvermeidlichen Fortsetzung darf nun mit Zahnarzt Stu (Ed Helms) der zweite Kandidat heiraten. Dafür kommt das Freundes-Wolfsrudel diesmal im Heimatland seiner thailändischen Verlobten zusammen und hat eigentlich die besten Vorsätze, diesen Junggesellenabend nicht wieder entgleisen zu lassen. Dann aber packt der exzentrisch infantile Vollbartträger Alan (Zach Galifianakis) am Strandlagerfeuer seine verhängnisvollen Marshmallows aus und bis auf Doug und den Teenager-Bruder der Braut wachen am nächsten Morgen alle völlig fertig in einer versifften Wohnung in Bangkok auf – ohne jede Erinnerung an die Stunden davor.
Die Aufräumarbeiten nach dem besinnungslosen Exzess erfolgen auch am anderen Ende der Welt nach exakt demselben Erfolgsschema: Schritt für Schritt versucht die lädiert verkaterte Jungstruppe, die Ereignisse der Nacht mit einer Indiziensuche zu rekonstruieren und die heftigen Nachbeben durch deren Folgen in den Griff zu kriegen. Statt eines beschädigten Gebisses bleibt als Erinnerung an den wilden Black-Out eine Tätowierung gut sichtbar auf der linken Gesichtshälfte. Und statt eines Tigers in einer verwüsteten Suite gibt es als tierischen Scene-Stealer einen drogendealenden Affen in einer Rolling-Stones-Lederjacke.
Wenn „Hangover 2“ schon ohne den Überraschungseffekt des ersten Teils auskommen muss, soll er wie viele andere Sequels dadurch in Bewegung kommen, dass der Vorgänger überboten wird: Es soll schmutziger zugehen, zügelloser, mit noch überdrehteren Chaosverwicklungen und deutlich ausgedehnten Grenzen der Geschmackloskomik. Aber weder mit der neuen Exotikkulisse im schwitzigen Großstandmoloch Bangkok und den Anspielungen auf den ersten Teil, noch mit diversen Penisnuckelwitzen oder ungeschütztem Analsex mit einer She-Male-Prostituierten lässt sich einigermaßen überspielen, dass sich „Hangover 2“ als müde Variation eines ohnehin nur passablen Gags totläuft.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Hangover 2“ im Kino in Berlin

Hangover 2 (Hangover Part II), USA 2011; Regie: Todd Phillips; Darsteller: Bradley Cooper (Phil), Ed Helms (Stu), Zach Galifianakis (Alan); 101 Minuten, Farbe

Kinostart: 2. Juni 2011   

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