Kunst und Museen in Berlin

„Herbert Bayer. Werbegrafik 1928–1938“ im Bauhaus-Archiv

Gefragtester Grafiker Deutschlands: der Bauhäusler Herbert Bayer 1928 bis 1938

Herbert_Bayer_1_img814_c_Bauhaus_ArchivBerlinHeute gehört Herbert Bayer nicht mehr zum Kreis derer, an die man zuerst denkt, wenn der Name Bauhaus fällt, anders als sein Freund Marcel Breuer oder sein großer Förderer Walter Gropius. Aber 1928, als der Lehrer Bayer das Bauhaus Dessau verließ und sich in Berlin als Grafikdesigner selbstständig machte, kannte ihn in der Branche jeder. Der gebürtige Österreicher Herbert Bayer war der bedeutendste und modernste Gebrauchsgrafiker seiner Zeit in Deutschland. Er schuf Hunderte Werbeplakate für die Kosmetik- und Bekleidungsindustrie sowie Buch- und Zeitschriftentitel. Ab 1933 stellte er sein Können aber auch in den Dienst des NS-Regimes, entwarf Plakate für drei Großausstellungen, die die nationalsozialistische Ideologie massenwirksam propagierten. Bis Bayer, der nie Parteimitglied war, 1936 in Ungnade fiel.

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1937 wurde er mit einem seiner Gemälde – Bayer, der 1964 documenta-Teilnehmer war, sah sich zeitlebens als Künstler – in der Zurschaustellung „Entartete Kunst“ diffamiert. 1938 emigrierte er mit seiner Frau, einer amerikanischen Jüdin, von der er allerdings getrennt lebte, und der gemeinsamen Tochter in die USA, wo er ebenfalls beruflich sehr erfolgreich war. All diese widersprüchlichen Stationen von Bayers Karriere bringt die von Patrick Rössler ebenso konzentriert wie facettenreich kuratierte Ausstellung mit rund 200 immer noch erstaunlich modern wirkenden Exponaten auf den Punkt.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Atelier Schneider / Bauhaus Archiv Berlin/ VG Bild Kunst, Bonn 2013

tip-Bewertung: Herausragend

„Mein Reklame-Fegefeuer“ Herbert Bayer. Werbegrafik 1928–1938 Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstraße 14, Tiergarten, Mi–Mo 10–17 Uhr, bis 24.2.; 25.12. u. 1.1.14 13–17 Uhr

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